UP Mana – wir feiern LEICHT!!

Irgendwie ist das ein schleichender Prozess. Wir beginnen mit dem Gleitschirmfliegen und freuen uns über die Einfachheit dieser schönen Flugdisziplin und unseres neuen Hobbys. Es folgen die ersten Höhenflüge. Wir genießen das Gefühl, vogelgleich zu Fliegen, die Welt von oben zu betrachten und lassen uns dabei faszinieren von dem Stückchen bunten Stoff, das uns so lautlos durch die Lüfte trägt.
Im Laufe der Jahre bzw. der persönlichen Weiterentwicklung als Pilot wollen wir über kurz oder lang meist jedoch mehr. Mehr Höhe, mehr Weite, mehr Leistung. Oft folgt dann das große Aufrüsten. Neben einem leistungsstärkeren Schirm hält dann die Technik Einzug. Powerbanks werden verstaut und Smartphones auf den Cockpits angebracht, die uns mit flimmernd bunten Flugapplikationen den Weg zum nächsten Wendepunkt weisen. Omnipräsenter Leistungshype?

Wer die Gleitschirmszene in den letzten Jahren aufmerksam beobachtet, stellt unübersehbar fest, dass es neben all diesem technisierten Leistungsstreben auch eine starke Gegenbewegung gibt. Eine Bewegung zurück zur Einfachheit, zu den Ursprüngen unseres schönen Sports. Ein leichtes Gurtzeug, ein unkomplizierter Schirm und das ganze am besten mit möglichst wenig Gewicht auf der Waage bzw. auf dem Rücken. Hinzu kommt: sich sportlich in der Natur zu bewegen liegt weiterhin voll im Trend, was die Verkaufszahlen der Outdoorindustrie seit Jahren eindrucksvoll beweisen. Das spiegelt sich natürlich auch in der Gleitschirmbranche wieder. Leicht ist geil! Was gibt es schöneres, als nach vielen Stunden im Bürosessel die leichte Flugausrüstung zu schultern und sich einen Feierabendflug zu erwandern?

Mit dem Mana schlägt UP genau in diese Kerbe und trifft den Nerv der Zeit: Purismus! Schirm, Gurtzeug, Helm – warum Dinge verkomplizieren? Warum mehr mitnehmen, wenn das wenige für stundenlange Genussflüge völlig ausreicht?

So weit so gut. Aber wie fliegt sich denn nun das neue Leichtgewicht aus dem Hause UP? Wer meine Format „LIFTUUP“ bereits seit längerem verfolgt, der wird feststellen, dass ich mich nicht als Produkttester sehe. Professionelle Tester oder solche, die es glauben zu sein, gibt es im Netz bereits zur Genüge 😉 Ich versuche vielmehr, fliegerischen Lifestyle zu vermitteln und eine Party für das geilste Hobby der Welt zu feiern 😉 Daher will ich euch nun einfach in loser Reihenfolge und ohne Anspruch auf Vollständigkeit meine persönlichen, subjektiven Eindrücke mit dem Mana schildern:

Ich durfte den neuen Leichtschirm von UP in knapp 15 Stunden Airtime noch vor seinem offiziellen Release ausgiebig testen. Geflogen bin ich den Schirm in der 23er Größe mit etwa 92 kg Abfluggewicht. Mit dieser Größe und Beladung ist der Mana mit LTF/EN B zugelassen.

Die erste Tuchfühlung mit dem Mana fand beim Grounhandling auf die Wiese statt. Ein sonniger Tag, vielleicht 10 km/h Grundwind mit Böen um die 15-20 km/h – perfekte Bedingungen für ein erstes Date. Ich sortiere die Leinen, von denen man erstaunlich wenig in den Händen hält. Sie sind farblich markiert und lediglich in der Galerie unummantelt. Einmal Schütteln und sie fallen sauber auseinander. Eine Tendenz zur Knötchenbildung habe ich nicht festgestellt. Die klassischen Tragegurte (optional können ultraleichte Tragegurte aus einem Dyneema/Liros-Mix geordert werden) kommen ohne jeglichen Schnickschnack aus und sind sehr übersichtlich. Solch eine Übersichtlichkeit und Einfachheit ist für mich bei einem Bergschirm sehr wichtig. Nach einem anstrengenden Aufstieg mit anschließend suboptimalen Startbedingungen sollten die Starvorbereitungen in Bezug auf das Material so simpel wie möglich sein, um hier nicht unnötig Konzentration und damit mentale Energie aufwenden zu müssen.
Das Aufziehen des Schirmes könnte einfacher nicht sein. Ich selbst hatte noch keinen einfacheren Starter in den Händen als den Mana. Es reicht ein leichter Zug auf die inneren A-Gurten und die gering gestreckte kompakte Kappe füllt sich zuverlässig. Die Steigphase beim Aufziehen findet in einer sehr angenehmen Geschwindigkeit statt und gibt ausreichend Zeit zur Sichtkontrolle. Ein ständiges Führen ist nicht notwendig. Im Zenit bremst die Kappe selbstständig ab. Überschießen? Fehlanzeige! Ich habe einige Male bewusst mit starkem Impuls aufgezogen – ein Überschießen war auch dann nicht festzustellen. Absolut anfängertauglich! Wer jetzt denkt, dass der Schirm eine lahme Gurke ist, die am Boden keinen Spaß macht, der liegt definitiv falsch. Die Kappe lässt sich spielerisch mit Bremsleinen- und Hüfteinsatz dirigieren. Stabiloparken, Kiten, Spins – wer am Boden gerne spielt, der kann sich mit dem Mana austoben!
Aber genug an Bodenhaftung! Ich will in die Luft.

Beim ersten Flug bläst es gleich ordentlich an meinem Hausberg. Ich hänge mich ein, raffe den Schirm zur Rose und begebe mich zum steilen Weststartplatz. Ich gebe einen kurzen Impuls auf die inneren A-Gurte. Wie bereits beim Groundhandling auf der Wiese, so steigt die Kappe auch hier am steilen Startplatz in einer angenehmen Geschwindigkeit. Ich laufe dem Schirm 1-2 Schritte entgegen, der Mana parkt sich im Zenit und wartet dort manierlich auf weitere Kommandos. Ich kann mich ausdrehen und bleibe so eine ganze Weile stehen, bis ich mich zum Abheben entscheide. Startplatzposer kommen hier voll auf ihre Kosten 😉 Die 23er Größe verträgt für mein Abfluggewicht bereits ordentlich Wind am Start. Wie spaßig muss es da erst mit den 18 Quadratmetern sein, wenn es am Startplatz oder beim Küstensoaren windmäßig so richtig ballert!
Endlich bin ich in der Luft. Auch wenn Franta, Chefdesinger von UP, dafür bekannt ist, dass er seinen Schirmen klassenunabhängig ein tolles Handling spendiert, so habe ich mir im Vorfeld ehrlich gesagt nur wenig vom eigentlichen Flugverhalten versprochen. Technische Daten wie ein A-Schirm – das kann ja nur semi-gut werden. Diese Vorurteile lösen sich jedoch bereits nach den ersten Flugminuten gänzlich in Luft auf. Mana fliegen ist wie Go-Kart fahren. Das Teil geht unglaublich spritzig ums Eck. Den ersten zarten Hausbart treffe ich frontal. Ich nehme viel Gewicht und nur wenig Bremse, was zum genussvoll leichtgängigen pilotieren völlig ausreicht. Mit diesem Flugstil lässt sich der Mana schön flach drehen. An thermisch mittelmäßigen Tagen hatte ich so jedenfalls keinerlei Probleme, mit den anderen Piloten mitzusteigen.

In rauer Luft arbeitet das leichte Tuch etwas über mir und gibt ab und an ein Rascheln von sich, was den Einsteiger anfänglich vielleicht etwas irritieren kann. Grund zur Sorge besteht aber nicht. Der Mana ist „rock solid.“ Das konnte ich auf allen meinen Flügen feststellen. Auf einem kleinen 40 km Streckenflug in Slowenien habe ich bewusst einige Leebärte gesucht und ausgedreht. Ich hatte weder einen Klapper noch sonst irgendeine Art von Entlastern. Und das ganze bei minimaler Arbeitslast für den Piloten. Man lässt den Schirm einfach fliegen und es baut sich schnell großes Vertrauen auf.

Wer beherzt in die Eisen greift, der kann auf Knopfdruck auch die spaßige Bandbreite des Schirms abrufen. Der Mana baut beim Wingovern schnell die nötige Energie auf und benötigt dabei nur wenig Stütze. Aus dem Wingover in eine asymmetrische Spirale überzugehen ist eine wahre Wonne. Sobald man jedoch den Energieinput herausnimmt, stabilisiert sich das System schnell wieder und kehrt selbstständig in den Normalflug zurück, sodass sich auch Anfänger ans dynamische Rumturnen herantasten können.
Allgemein betrachtet schätze ich die passiven Sicherheitsreserven des Schirms als enorm hoch ein. Wie bereits erwähnt: einen echten Klapper in Realbedingungen hatte ich nicht. Provozierte Front- und Seitenklapper, beschleunigt und unbeschleunigt, sind völlig unspektakulär.
Obwohl der Mana super direkt an der Bremse hängt und zum Kurvenflug nur mäßigen Bremseinsatz benötig, so ist der Steuerweg bis zum Strömungsabriss jedoch außerordentlich lang. Im normalen Arbeitsbereich, auch beim Kurbeln in starken engen Bärten, sollte ein ungewollter Abriss eigentlich nicht vorkommen. Beim Top- oder Außenladen auf engen Flächen ist der späte Stallpunkt natürlich ein großes Sicherheitsplus.

UP erweitert mit dem Mana ihre Produktpalette um eine richtige Mehrzweckwaffe. Die verschiedenen Schirmgrößen in Verbindung mit den sehr breiten zugelassen Gewichtsbereichen decken so ziemlich jeden gewünschten Einsatzzweck ab. Wähle ich eine der größeren Schirmgrößen, so habe ich einen fantastischen Allrounder, der mich beim Hausbergfliegen, bei ausgedehnten Hike & Fly Touren oder auf abenteuerlichen Gleitschirmreisen begleitet. Dabei kann ich mit dem Schirm stundenlang Thermik fliegen und völlig stressfrei und nervenschonend bei meinen XC Ausritten neue Gegenden und Landschaften erkunden.
Entscheide ich mich für einen „kleinen“ Mana, so kann ich mit geringstem Packmaß und Gewicht die anspruchsvollsten alpinen Steige unter die Bergstiefel nehmen und habe auch bei stärkeren Windbedingungen ein großes Startfenster.
Da bleibt eigentlich nur eins zu sagen: Ihr habe die Qual der Wahl 🙂

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