Ausprobiert: LITEPACK 2

Ich gebe es zu: manchmal muss ich über meine eigene Inkonsequenz schmunzeln – mit der ich allerdings nicht alleine bin, wenn ich mich so an den einschlägigen Gleitschirm-Hotspots unserer Breiten umsehe. Aber der Reihe nach…

Als Bergliebhaber und sportbegeisterter Mensch kommt mir der anhaltende hike & fly Trend natürlich voll entgegen. Selbstredend bin ich damit nicht alleine – zumindest in unseren mitteleuropäischen Gefilden sind bleischwere Gurtzeuge und 6+ kg Schirme längst zu Ladenhütern geworden bzw. werden im Sortiment der namhaften Hersteller gar nicht mehr geführt. Semileichte und ultraleichte Produkte dagegen gehören mittlerweile zu den Zugpferden der jeweiligen Produktlinien. Denn selbst der lauffaule Otto-Normal-Pilot möchte von der Bergstation aus keine 20 kg schwere Ausrüstung mehr zum Startplatz schleppen.

Was das Gewicht von Gleitschirm und Gurtzeug angeht, ist das Gros der Piloten meist konsequent. Da werden eifrig die Kilos zusammengerechnet und wenn das Endergebnis nicht zufriedenstellen ist, investiert man vielleicht noch in einen leichteren Helm oder ein rudimentäres Helmvario. So kann man dann regelmäßig Piloten beobachten, die mir ihrer neuen, gewichtsoptimierten Ausrüstung an den Startplatz pilgern. Und kaum am Startplatz angekommen, wird dann eben diese tolle Leichtausrüstung aus einem grobschlächtigen Standard-Rucksack herausgepellt. Ein Standard-Rucksack, wie er bei den meisten Gleitschirmen ab Werk zum Lieferumfang gehört. Das heißt in der Regel: um die 1,5 kg Gewicht, das Packmaß eines orientalischen Wandteppichs und das Ganze gepaart mit einem oft unterirdischen Tragekomfort. Damit aber nicht genug. Hinsichtlich des zur Verfügung stehenden Raumangebots der Rückenfächer der meisten Leicht(liege)gurtzeuge ist mit solch einem Trumm an Rucksack die Kapazitätsgrenze schnell erreicht – das Verstauen von Getränk und restlichen Utensilien wird dann oftmals zu einer kniffligen Partie Tetris.

Eigentlich schade um die so sorgfältig zusammengestellte, gewichtsoptimierte Ausrüstung, bietet doch der Gleitschirm-Zubehörmarkt mittlerweile auch im Bereich der Rucksäcke deutlich elegantere Lösungen. Lucian Haas hat sich auf seinem szenebekannten Gleitschirmblog „Lu-Glidz“ dieser Thematik bereits gewidmet und in diesem Rahmen einige Leichtrucksäcke unter die kritische Testlupe genommen. Den Link zu seinem ausführlichen Test findet ihr hier!

Ich selbst durfte im zurückliegenden Sommer und Herbst den Leichtrucksack „Litepack 2“ testen, der exklusiv von Thomas Sacher, besser bekannt als der „Paradealer“, vertrieben wird. Entwickelt wurde der Litepack 2 vom serbischen Leichtausrüstungspezialisten „Air Vuisa.“

Hier meine Eindrücke:

 Volumen/ Gewicht/ Packmaß:

Der Litepack 2 kommt in Einheitsgröße daher und weist dabei ein großzügiges Volumen von 120 Litern auf, jedoch kann der Rucksack auch auf 90 Liter komprimiert werden. Meine Küchenwaage bescheinigte dem Litepack 2 dabei ein erfreuliches Gewicht von nur 715 Gramm. Bedingt durch das großzügige Volumen finden im Rucksack auch semileichte Gleitschirmausrüstungen komfortabel ihren Platz. Ich selbst verstaute darin ohne Probleme ein Supair Delight 2 und einen UP Kibo (5 kg Schirm) samt Helm, Vario, Handschuhen, Jacke und Wechselshirt. Sofern man sorgfältig packt, muss selbst bei solch einer nur mäßig leichten Ausrüstung nicht unangenehm stark gequetscht werden. Das schont sowohl die Nerven als auch das Material. Fällt die Ausrüstung leichter bzw. im Packmaß kleiner aus, so kann der Rucksack mittels der seitlichen Kompressionsriemen recht passgenau komprimiert werden. Den Rucksack selbst kann man schön kompakt zusammenrollen bzw. falten. Der Zugewinn an Stauraum im Rückenfach des Gurtzeuges ist jedenfalls enorm, verglichen mit einem ausladenden Standard-Rucksack.

 Material/ Verarbeitung:

Der Litepack 2 ist aus leichtem, aber dennoch robustem Cordura light gefertigt. Reißverschlüsse und Nähe wirken hochwertig. Die Haptik ist sehr gut. Man traut dem Rucksack definitiv zu, auch im rauen Bergeinsatz ein langjähriger Begleiter zu sein.

 Tragekomfort:

Ich selbst bin einige zwei bis drei stündige Wanderungen mit dem Rucksack gegangen. Für meine Körpermaße bzw. Physiognomie (180 cm Größe, 75 kg Gewicht) empfand ich den Tragekomfort als sehr gut. Das Rückenteil ist recht weich, ausreichend gepolstert und die gute Belüftung beugt allzu großer Schweißbildung vor. Die Schultergurte weisen eine Breite von 9 cm auf und sind ebenfalls angenehm aufgepolstert. Der Hüftgurt ist zwischen 13 und 15 cm breit. Druckstellen bekam ich während meinen Touren nicht.

 Ausstattung/ Verstaumöglichkeiten:

Der Hüftgurt ist, aus Richtung des Trägers betrachtet, rechtsseitig mit einer Reißverschlusstasche versehen. Darin lässt sich allerlei Kleinkram wie Autoschlüssel, Müsliriegel, Ersatzakkus, etc. verstauen. Linksseitig ist der Hüftgurt mit einer elastischen Strech-Tasche versehen. Darin kann beispielsweise das Smartphone untergebracht werden, das auf diese Weise für den spontanen Schnappschuss schnell zur Hand ist. An den beiden Flanken des Rucksackes befinden sich elastische Netztaschen, welche recht großzügig ausfallen. Hier können alle weiteren Utensilien verstaut werden. Ein Gepäcknetz an der linken Seite des Rucksacks ermöglicht zudem die komfortable Aufnahme einer Jacke oder sonstiger großvolumiger Kleidungstücke. Auf eine Deckeltasche wurde verzichtet. Eine mittige Öffnung im oberen Bereich des Rückenteils ermöglicht das Ausleiten eines Trinkschlauchs, sodass auch getrunken werden kann, während der Rucksack getragen wird.

 Fazit:

Leicht ist super. Das gilt freilich nicht nur für die eigentliche Flugausrüstung sondern auch für den hierfür obligatorischen Rucksack (sofern kein Wendegurt verwendet wird). Wer bereits eine leichte oder semileichte Gleitschirmausrüstung besitzt und hierfür noch einen passenden Rucksack sucht, der sollte sich den Litepack 2 einmal genauer ansehen. Der Rucksack ist mit 715 Gramm schön leicht gehalten, jedoch nicht extrem minimalistisch gebaut. Mit seinem robusten Materialmix und der soliden Verarbeitung dürfte er damit auch dem harten Flieger- bzw. hike n’fly-Alltag standhalten. Er lässt sich schön klein zusammenfalten und damit platzsparend im Gurtzeug verstauen. Der Tragekomfort ist sehr gut. Mit 120 L Volumen könnte der Rucksack auch für Biwakabenteurer interessant sein, die während ihren Touren auch auf Iso, Zelt und Schlafsack nicht verzichten möchten. Das einzige, was ich mir noch gewünscht hätte, wäre ein weiteres Deckelfach. Taschen kann man schließlich nie genug haben. Aber das ist nun wirklich Kritteln auf hohem Niveau ;-).

Hier der Direktlink zum Produkt!

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