TESTED: Fliegerhandschuh „Vesuv“

Zugegeben: Es gibt Ausrüstungsteile beim Gleitschirmfliegen, die sich auf meinem Wahrnehmungsradar zumeist eher im Randbereich bewegen. So verhält es sich bei mir auch bei den Handschuhen. Ich weiß, völlig zu Unrecht, sind doch Handschuhe eigentlich ganz zentral beim Fliegen – immerhin stellen sie das direkte Bindeglied zwischen unseren Händen und den Steuerleinen dar und sind damit für die Verbindung Pilot – Schirm ganz essentiell. Zudem: was gibt es Schlimmeres, als sich auf einem tollen, langen Streckenflug zu befinden und diesen dann, mit Fingern wie Fischstäbchen, als reinste Tortur zu empfinden oder ihn gar frühzeitig beenden zu müssen? Naja, sei’s drum, ich bin eben kein Ausrüstungfanatiker, der jedes Detail seines Equipments minutiös zusammenstellt. Der Handschuhkauf war für mich somit immer ein eher blasser Punkt auf meiner To-Do Liste. Also alle paar Jahre mal, wenn die alten Lappen durchgescheuert waren, über die Thermikmesse schlendern, nach Augenmaß eine Auswahl treffen, reinschlüpfen und günstig mitnehmen – und das Ganze einmal für warm und einmal für kalt. So war es dann auch dieses Jahres wieder soweit. Die ganz kalten Temperaturen des Frühjahrs waren durch und es musste schnell ein Allround-Handschuh her, der meine Finger sowohl bei recht kühlen als auch bei recht warmen Temperaturen mit angenehmen Klima umschmeichelt 😉

Statt mich planlos durchzuprobieren, fragte ich als Teampilot bei UP natürlich zunächst bei den netten Jungs und Mädels aus Garmisch-Partenkirchen nach und keine Woche später flatterte ein schlankes Päckchen zu mir ins Haus. Glücklicherweise hatte UP erst vor kurzem ihren neuen Handschuh „Vesuv“ released.
Mittlerweile hat mich der neue Handschuh auf etwas mehr als 50 Flugstunden begleitet. Dementsprechend weit gefasst waren auch die Temperaturbereiche, bei denen der Handschuh zum Einsatz kam – zwischen Parawaiting bei warmen Temperaturen am Starplatz und frostigen Basishöhen, alles war dabei. Genaue Zahlen habe ich mir nicht notiert, aber ich gehe von einem Temperaturbereich zwischen ca. 10 – 28 ⁰C aus. An dieser Stelle schon mal ein kurzes Zwischenfazit: Man friert recht spät und schwitzt recht spät 😉

Größe / Passform

Ich würde meine Hände als „normal groß“ für einen Mann bezeichnen, also eher unauffällig. Auf Wunsch kann ich gerne Fingerlänge und Handfläche nachmessen 😉 Nach kurzer telefonsicher Beratung sendete mir Daniel von UP die Größe L zu. Diese passte mir auf Anhieb perfekt. Am besten ist dabei natürlich immer vorher anprobieren, sofern ihr dazu die Gelegenheit habt. Die Finger des Handschuhs sind leicht vorgewölbt, was das Greifen der Steuerleinen erleichtert und einer etwaig störenden Faltenbildung vorbeugt.

Ausstattung / Details

Sowohl an Handinnenfläche als auch am Handrücken des Handschuhs ist weiches Ziegenleder verarbeitet. Gerade dort, wo die Steuerleinen über Flug- und Groundhandlingsstunden hinweg unablässig reiben und scheuern und damit dem Material in der Regel arg zusetzten, wird vorzeitigem Verschleiß durch das robuste Leder wirkungsvoll vorgebeugt. Die restlichen Flächen des Handschuhes sind aus einem Stretch-Material. Dieses schmiegt sich wohlig um Finger und Handflächen. Trotz der angenehmen Trageeigenschaft des Strech-Materials ist dieses winddicht, sodass kalte Zugluft ausgesperrt bleibt. Die Handinnenfläche ist großzügig mit einer Art Gummi-Noppen versehen. Der Grip an Bremsgriffen bzw. Steuerleinen ist dadurch top. Das macht sich gerade beim Starten und natürlich auch beim Groundhandling sehr positiv bemerkbar. Auch sehr gut gelöst finde ich die Handschuhverlängerung bzw. den Schaft zum Handgelenk hin. Dieser ist aus weichem, warmen Stoff, schmiegt sich schön um das Handgelenk und schützt dieses somit effektiv vor Auskühlung.

Touchscreen Kompatibilität

Ich selbst fliege einen Liegegurt, auf dessen Cockpit ich ein Smartphone befestigt habe. Zur Orientierung und Navigation nutze ich XC Track. Um zwischen den verschiedenen Displays hin und her zu wechseln hatte ich bis dato immer einen speziellen Touch-Pen am Cockpit befestigt. Damit mir der im Flug nicht verloren geht, hatte ich den Stift mittels Kordel am Cockpit befestigt. Mit meinen vorherigen Handschuhen war es doch immer eine ziemliche „Futtelei“, bis man den Stift zur Bedienung richtig in der Hand hatte. Touchscreen kompatibel sind ja mittlerweile viele Handschuhe. UP hat sich beim Vesuv, gerade für die Bedürfnisse von uns Gleitschirmfliegern, ein tolle Detaillösung einfallen lassen: Der Vesuv hat zwei Bereiche, welche die Bedienung des Touchscreens ermöglichen. Auf der Vorderseite der Zeigefinderkuppe befindet sich ein Touchpunkt. Dieser ist ideal zum Wischen auf dem Handydisplay. Damit kann, z. B. bei XC Track, zwischen den individuell definierten Bildschirmen hin und her gewechselt werden. Auf der Fingerspitze selbst befindet sich ein weiterer Touchpunkt. Mit dem kann punktuell auf dem Handydisplay getippt werden. Die Betätigung des Fotoauslösers wird damit zum Kinderspiel 😉 Insgesamt funktioniert das so gut, dass ich mittlerweile diesen unhandlichen TouchPen von meinem Cockpit verbannt habe.

Verarbeitung

Top! Da zwicken keine störenden Nähte und es werden, sofern die richtige Größe gewählt wurde, keine Falten geworfen. Ich habe, wie bereits erwähnt, zum Zeitpunkt des Blogeintrags etwas über 50 Stunden mit dem Handschuh geflogen. Weder an Innen- noch Außenseite des Handschuhs sind irgendwelche Verschleißerscheinungen festzustellen. Am Ende eines schönen kleinen Genuss-Streckenflugs habe ich mich bei der Außenlandung etwas verschätzt und landete recht unsanft ein – so musste der Vesuv als Handbremse (oder Ackerpflug 😉 ) herhalten. Bis auf ein paar grüne Grasflecken überstand der feine Handschmeichler jedoch auch dieses Malheur ohne Beschädigung.

Fazit

Piloten, die einen gut verarbeiteten, robusten Fliegerhandschuh suchen, der einen recht weiten Temperaturbereich abdeckt und im Flug auch die geschmeidige Bedienung des Smartphones (Navigation, Foto, Telefon) zulässt, sollten sich den Vesuv mal näher anschauen. Natürlich ist das Einsatzspektrum des Handschuhs nicht nur auf’s Fliegen beschränkt – mit den aufgezeigten Vorzügen könnte ich mir auch sehr gut seinen Einsatz beim Biken, Skifahren, Trekking oder anderen Outdoorsportarten vorstellen. Wer lange Streckenflüge im Frühjahr absolvieren möchte, kommt zwar um einen richtigen Winterhandschuh nicht herum, aber der Vesuv funktioniert schon wirklich lange – wie eingangs erwähnt: „Man friert recht spät und schwitzt recht spät“ 😉

 

Anmerkung/ Transparenz:

Der Handschuh wurde mir kostenlos von UP Paragliders zur Verfügung gestellt. Es wurde seitens UP jedoch keinerlei Einflussnahme auf die Erstellung dieses Testberichts genommen. Die hier dargestellten Eindrücke spiegeln alleine meine subjektiven Wahrnehmungen im Testzeitraum wieder.

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