Loading

TESTED: BipBip PRO

Werbung / Transparenz

Das im Folgenden beschriebene Vario BiBip PRO wurde mir vom Hersteller Stodeus Solar Paragliding Instruments für Testzwecke zur Verfügung gestellt. Ich durfte das Vario nach Abschluss der Testarbeiten unentgeltlich behalten. Weder für die Verfassung dieses Textes noch für die Darstellungen auf Instagram erhielt ich von Stodeus eine finanzielle Zuwendung. Auch erfolgte seitens Stodeus keinerlei Einflussnahme hinsichtlich der zum Vario veröffentlichten Inhalte.

 

Bist du ein Thermikschnüffler?

Wer kennt sie nicht? Wer beneidet sie nicht? Diese Piloten, auf deren DNA sich wohl ein paar genetische Codes unserer gefiederten Vorbilder eingeschlichen haben. Diese Piloten, die mit dem gewissen Fliegergen geboren wurden. Diese Piloten, die mit geradezu anmutiger Leichtigkeit der Schwerkraft regelmäßig ein Schnippchen schlagen, die scheinbar „unabsaufbar“ sind und die am Ende des Tages immer einen Tick höher am Himmel hängen als der Rest der Meute. Diese Piloten, die auch dann noch ihre Kreise über unseren Köpfen ziehen, während wir schon längst ungewollt gegroundet sind und verdutzt und neidvoll zu ihnen aufschauen. Ja, diese Piloten kennt wohl einer jeder von uns. Gehörst du zu diesen Piloten?

Ich jedenfalls nicht. Ich glaube von mir sagen zu können, dass ich mittlerweile, nach vielen hundert Flugstunden im Erfahrungsrucksack, ganz ordentlich und einigermaßen effizient Thermiken verschiedenster Ausprägung und Güte zentrieren kann – wobei ich dahingehend auch heuer noch maximal im oberen Mittelfeld agiere. Und alleine bis zu diesem Level war es für mich ein langer Weg, waren doch die begehrten Aufwinde in den ersten Jahren meiner Fliegerei lange ein Buch mit sieben Siegeln.

Ich bin ein Kind der Technik. Mein erstes Vario legte ich mir unmittelbar nach absolvierter A-Schein Prüfung zu. Das alleinige Fliegen mit dem „Popometer“ und damit ganz ohne piepsende Helferlein, was als Übung für das Thermikgespür von vielen Seiten wärmstens empfohlen wird, habe ich nie praktiziert – vielleicht ein Versäumnis.

Es ist nicht so, dass ich dem „Gefühl“ keine Bedeutung einräume – im Gegenteil. Natürlich bin auch ich stetig bemüht, die Dynamik und Bewegungen der Luftmassen wahrzunehmen, zu interpretieren und dadurch die Aufwinde aufzuspüren und diese dann in der Folge zu zentrieren bzw. beim Kurbeln immer wieder mit kleinen Shifts und Inputs nachzujustieren. Dennoch: Im Großen und Ganzen bin ich einfach sehr stark auf die Akustik meines Varios fokussiert.

Und da ich ganz sicher NICHT mit diesem eingangs beschrieben Fliegergen gesegnet bin, lasse ich mir gerne von der Technik ein wenig unter die Arme greifen. Ergo: Die Performance meines Varios muss für mich einfach wirklich zu hundert Prozent passen.

 

Es war einmal…

Es muss irgendwann im Winter 2019 gewesen sein; draußen klirrende Kälte. Ich lausche einem Vortrag über das Streckenfliegen. Was ich dort in Bezug auf die Einstellungen des Varios aufschnappe, war mir in einigen Teilbereichen bis dato neu. So erfuhr ich von der Relevanz eines sehr sensiblen, raschen Ansprechverhaltens und dass eine zuschaltbare akustische Signalgabe für den sog. Nullschieber sinnvoll sein kann – gerade für Flachlandpiloten. Sinngemäß wurde wie folgt argumentiert: Sinkst du nicht, befindest du dich bereits in steigender Luft, denn dein Eigensinken wird aufgehoben. Das reicht zwar noch nicht zum Aufdrehen, aber irgendwo um dich herum gibt es eine Thermikquelle, die Aufwind produzierte. Gut möglich, dass hier in gewissen Intervallen wieder eine nutzbare Thermik aufsteigt.“ Das klang einleuchtend für mich. Da ich außerhalb der Urlaubsfliegerei zumeist im Mittelgebirge fliege und von dort aus gerne auch Abstecher ins Flachland unternehme, notierte ich mir diesen Tipp auf meiner Verbesserungsagenda.

Das Vario, welches ich bis dahin zum Fliegen nutzte, war grundsolide; aber viele Einstellungsmöglichkeiten, gerade in Bezug auf Ansprechsensibilität bzw. Reaktionszeit gab es nicht.

Und so folgte eine kleine Bestandsaufnahme. Der Markt an Fluginstrumenten für Gleitschirmpiloten ist bunt, breit sortiert und bietet wohl für jeden Pilotengeschmack und Einsatzzweck die passende Lösung – wenn denn das Kleingeld stimmt. Gerade die Top-Geräte, allesamt High-End Produkte, haben einen stolzen Preis.

Im Zuge meiner Recherche stieß ich auf den französischen Instrumentenhersteller Stodeus Solar Paragliding. Deren minimalistisches Solarvario in auffallend grüner Farbe, das BipBip, war mir bereits zurückliegend des Öfteren an diversen Startplätzen ins Auge gefallen.

Ein kurzer Check auf der Firmenseite mündete recht fix in einer Bestellung.

Trotz des minimalistischen Designs und der rudimentären Bedienung wies der kleine grüne Piepser alle oben genannten und von mir erwünschten Funktionen auf; und das in Kombination mit einem für diese Performance unschlagbar günstigen Preis.

 

Was bisher geschah…

Long story short: Das BipBip+ begleitete mich seit dem Kauf auf über 200 Flugstunden, bewahrte mich dabei wohl unzählige Male vor dem Absaufen und zeigte mir stets zuverlässig den Weg zurück an die Basis. Kein Wunder also, bin ich bis heute total in love mit meinem grünen Piepmatz.

 

Das BipBip PRO

Das BipBip+ hatte ganz viele Stärken und nur ein paar wenige Schwächen.

Als Stodeus Ende 2020 den Nachfolger des BipBip+, das BipBip PRO, launchte und auf der Website gut aufbereitet die neuen Eigenschaften des minimalistischen Varios beschrieb, sah ich die von mir bis dato wahrgenommenen Schwächen des Vorgängers als beseitigt. Ich wurde neugierig. Also kontaktierte ich fix das Team von Stodeus und frage nach einem Testgerät bzw. nach einer Kooperation. Mit einsetzendem Frühjahr und thermischer Aktivität dauerte es dann auch nicht lange und das Team aus Grenoble beglückte mich mit einer Paketsendung.

Alt war gut – neu ist besser. Eine sanfte Evolution!

Ich erwähnte ja bereits eingangs, dass ich den Vorgänger, das BipBip+, in vielen, vielen Flügen so richtig zu schätzen gelernt habe. Allerdings hatte der Vorgänger auch ein paar wenige Eigenschaften, die mir persönlich nicht ganz so gut gefielen:

  • Die etwas geringe Lautstärke (am Helm kein Problem; am Cockpit mit Windgeräuschen ein bisschen zu leise)
  • Der etwas blecherne Vario-Ton (hörte sich ein wenig wie Spielzeug an)

Ob es Stodeus geschafft hat, die Grundcharakteristik des für mich so genialen Vorgängers beizubehalten und mit einigen Stellschrauben das BipBip PRO noch ausgefeilter und gewissermaßen erwachsener werden zu lassen und dabei die o. a. Schwächen auszumerzen, dem wollte ich in einem ausführlichen Test auf den Grund gehen. Also raus aus dem Büro und rauf in die Luft. Ich habe mit dem neuen BipBip PRO im Testzeitraum nunmehr etwas über 30 Stunden geflogen und sämtliche Einstellungen ausprobiert. Meine Eindrücke zum Gerät findet ihr in den folgenden Abschnitten.

 

Stodeus Solar Paragliding | State-Of-The-Art Technology – MADE IN FRANCE

Stodeus Solar Paragliding Instruments ist ein französisches Unternehmen mit Sitz in Grenoble, im Herzen der Französischen Alpen. Die noch junge Firmengeschichte von Stodeus begann im Jahr 2011, als der spätere Firmengründer Timothée auf der Suche nach einem kompakten, ultraleichten, solarbetriebenen und gleichzeitig leistungsstarken Variometer war. Da Timothée innerhalb der damaligen Angebotspalette der etablierten Flugelektronikhersteller nicht bzw. für ihn nicht zufriedenstellen fündig wurde, beschloss er kurzerhand, selbst ein Vario für seine Bedürfnisse zu entwickeln – irgendwie naheliegend, ist Timothée doch selbst Ingenieur der Elektrotechnik. In Zusammenarbeit mit seiner aktiven Flieger-Community, darunter auch Top-Piloten des französischen Nationalteams, entwarf er das „leBipBip“. Vom großen Erfolg des Ur BipBip befeuerte, wurde die die Performance des minimalistischen Varios sukzessive weiterentwickelt und gesteigert: es folgten das „leBipBip+“ und schließlich das hier getestete „BipBip PRO.“

Parallel dazu brachte Stodeus auch eine GPS-Version der BipBip-Erfolgsreihe auf den Markt: Das „leGPSBip“ und später das „leGPSBip+“.

Clarisse trat 2014 dem Unternehmen bei und übernahm in Anbetracht der stetig wachsenden Nachfrage sämtliche Aufgaben im Zusammenhang mit Grafikdesign und Kundenservice.

Timothée und Clarisse arbeiten aber nicht nur im Unternehmen erfolgreich zusammen; sie sind auch in der Luft ein tolles Team. Gemeinsam genießen die beide das Streckenfliegen im Tandem – ein persönlicher Tandem-Rekord von 152 km spricht da wohl Bände!

Das Unternehmen besteht mittlerweile aus 5 Mitarbeitern, die als Team alle erforderlichen Bereiche zur Fortführung der Erfolgsgeschichte von Stodeus abdecken: Forschung und Entwicklung, Kommunikation, Design, Fertigung, Versand und natürlich auch einen kundennahen Service.

Aus Überzeugung und mit dem Anspruch, eine Fertigungsqualität auf höchstem Stand zu gewährleisten, werden alle Stodeus-Instrumente in Frankreich entwickelt und produziert; die firmeneigene Produktionsstätte befindet sich in Grenoble.

Ein weiteres zentrales Bestreben von Stodeus: Nachhaltigkeit! Stodeus bietet für alle ihre Fluginstrumente Ersatzteile und Reparaturservice an, sodass der Endkunde wirklich lange Freude an seinem Stodeus-Produkt haben kann.

 

BipBip PRO – technische Eigenschaften

Die nachfolgend aufgeführten technischen Eigenschaften des BipBip PRO sind der Website des Herstellers entnommen. Hier aus dem Englischen übersetzt:

  • Solarbetrieben, 400% energieautark
  • Batterie mit 400h Autonomiebetrieb ohne Sonne
  • Drucksensor mit 1cm Auflösung (100 Samples pro Sekunde)
  • Lauter Buzzer 95dB (5 Stufen: leise, medium, laut, boost, stumm + LED)
  • Starterkennung (kann deaktiviert werden)
  • 2 Audioprofile: kurze oder lange Tonfolge
  • Einstellbare Integrationszeit von 0 bis 100 %
  • Sinkalarm (von -0,50 m/s bis 3,50 m/s, Standard ist aus)
  • Weak Lift (Nullschieber) Detektor mit einer Range von -30 cm/s bis + 10cm/s (Standard ist aus)
  • Vario LED (grün: Steigen, orange: schwach, rot: Sinken)
  • Batteriestand-Anzeige beim Start
  • Akku-Aufladung mittels Solarpanel von 0 bis 100 % in 10 Std.
  • Micro-USB als Backup fürs Aufladen
  • Ultraleicht: 26g
  • Made in France

 

Unboxing

Ohhh, wie ich das Auspacken von neuem Equipment liebe 🙂 Ich öffne den Karton und ziehe das Vario in seiner Verpackung heraus. Die Verpackung enthält ein Sichtfenster, welches den ersehnten Inhalt, das „Kleine Grüne“, dem Auge des neuen Besitzers zentral präsentiert. Und dieser wird gleich mit motivierenden Worten begrüßt: „Always on top“ – der Slogan auf der Verpackungsvorderseite springt sofort ins Auge und klingt verheißungsvoll.

Die nächste Freude erwartet mich beim herausholen des Varios. Timothée und Clarisse haben es sich nicht nehmen lassen, dem Gerät eine kleine persönliche Grußkarte beizulegen. Danke ihr beiden 🙂

Dann halte ich endlich das Vario in der Hand. Klein, Federleicht, minimalistisch. Eine optische Änderung zum Vorgänger erkenne ich sogleich an der Beschaffenheit der Solarzelle, die nunmehr fast die gesamte Oberfläche des Gerätes einnimmt.

Zum Lieferumfang des BipBip PRO gehören ferner eine Kurzanleitung, eine Sicherungsschlaufe und mehrere Klett-Klebepads.

Ich nehme das Vario in die Hand, drehe und wende es. Es ist so leicht, dass man sein Gewicht kaum spürt. Das wenige fühlbare Material wirkt haptisch hochwertig und sauber verarbeitet.

Wie bereits erwähnt, nimmt die leistungsstarke Solarzelle fast die gesamte Vorderseite des Geräts ein. Auf der Rückseite befinden sich Kletthaken, um das Gerät später ganz nach Belieben festkletten zu können. Die kurzen Stirnseiten beherbergen den solide wirkenden Sicherungsbügel zur Befestigung der Sicherungsschlaufe auf der einen und den Lautsprecher auf der gegenüberliegenden Seite. Auf einer der Längsseiten des Geräts ist ein Micro-USB Anschluss zusammen mit einer LED Leuchte (visuelle Steig- und Sinkanzeige) verbaut, auf der anderen Seite befindet sich der Bedienknopf.

 

Eine Frage des Einsatzgebiets

Das BipBip PRO ist mit 26 g federleicht. Dank der starken Klettverbindung lässt es sich praktisch überall anbringen. Tragegurte, Schultergurte am Gurtzeug, Helm oder Cockpit – alles geht.

Fliege ich zum spaßigen Herumtollen und soften Manövern am Hausberg mit Sitzgurt, so klette ich das Vario im Nu an den Helm. Aufdrehen, Spielen, Höhe vernichten und wieder aufdrehen… ich liebe diese spielerische Art der Fliegerei 🙂 Und dafür reicht mir der akustische Input des BipBip PRO völlig aus.

Die Befestigung am Helm oder am Schultergurt bietet sich beispielsweise auch für Hike & Fly Unternehmungen oder beim Tandemfliegen an. Gerade beim Tandemfliegen kann ich mir sehr gut den Einsatz der LED Anzeige (Vario-Ton stumm) vorstellen. Der Pilot erhält via der farblich differenzierten LED Anzeige den gewünschten Input, während der Passagier ganz in Ruhe die Landschaft und das Erlebnis „Fliegen“ genießen kann. Ebenso wie der genussorientierte Hike & Flyer, der das Bergerlebnis und die Naturkulisse mit all seinen Sinnen wahrnehmen möchte, ohne dabei von störendem Gepiepe abgelenkt zu werden.

Plane ich lange in der Luft zu sein und/ oder auf Strecke zu gehen, dann nutze ich mein Liegegurtzeug. Ich klette das BipBip PRO dann ans Cockpit und kombiniere das Ganze mit einem (älteren) klassischen Display-Vario, welches mir Groundspeed, Höhe, Steigwerte, Himmelrichtung, bzw. alle anderen wichtigen Parameter anzeigt; und das dann natürlich auch den IGC File aufzeichnet. Da ich das rasche Ansprechverhalten, die Sensibilität und die feine akustische Abstufung des BipBip PRO so dermaßen schätze, habe ich das klassische Vario einfach stumm geschaltet. Die Akustik liefert mir also das BipBip PRO, die visuell relevanten Daten fürs Fliegen das klassische Vario mit Display.

Ich weiß, dass viele Piloten mittlerweile ganz auf die Kombination Smartphone (z. B. XC Track) und GPS fähiges Minivario (z. B. Le GPSBip+) umgestiegen sind. Für mich war das bisher aber noch keine wirklich zufriedenstellende Lösung. Ich möchte nicht immer extra eine Powerbank mitschleppen und mich mit Bluetooth-Verbindungsproblemen oder einer schlechten Display-Ablesbarkeit herumschlagen. Ich habe zwei autarke Geräte, die beide höchst zuverlässig funktionieren und eine lange Akkulaufzeit gewährleisten. Punkt. Sehe ich mich beim Streckenfliegen doch einmal mit einer komplexeren Luftraumstruktur konfrontiert, so kann ich im Flug auch schnell mein Handy zücken und XC Track um Rat bemühen 😉

Aber wer weiß, wenn mir Stodeus ein GPSBip+ zur Verfügung stellen würden – würde ich dem neuen „Trendsystem“ vielleicht doch mal eine Chance einräumen. Achtung: An dieser Stelle zwinkere ich Timothée und Clarisse einfach mal gaaanz schelmisch zu 😉

 

Bedienung und Einstellungen

Hat man sich für eine passende Befestigung des Varios entschieden, geht es an die individuelle Geräteeinstellung. Die Bedienung hierfür gestaltet sich, ganz im Zeichen des minimalistischen Konzepts, völlig simpel. Es gibt genau einen Knopf. Die beiliegende Bedienkurzanleitung reicht völlig aus. Dieser kann man die werksseitigen Standarteinstellungen entnehmen und natürlich, wie man diese individuell für sich anpasst.

Das User Manual könnt ihr euch hier mal anschauen. Simpler geht’s kaum.

 

Praxis

Der Erstflug mit dem neuen BipBip PRO ist gleich mal eine ausgedehnte Hausbergrunde am Spätnachmittag in zuverlässiger Thermik. Ideal, um die noch junge Bekanntschaft mit dem BipBip PRO zu vertiefen.

Was gleich positiv auffällt: Nach Einschalten des Varios, was mit einer deutlich hörbaren Tonfolge akustisch bestätigt wird, verstummt das Vario sofort wieder; der eingebauten Starterkennung sei Dank! Das schont die Nerven – sowohl die eigenen, als auch diejenigen der ebenfalls am Startplatz befindlichen Fliegerkollegen. Ich fliege stets mit aktiviertem Nullschieber-Detektor (Weak-Lift-Detector / Standarteinstellung ist aus). Dieser gibt ein stetiges „buzzen“ von sich, wenn weder Höhe gewonnen noch verloren wird. Das Vorgängermodell tat dies dann eben auch am Starplatz (kein Sinken + kein Steigen, ergo buzzen). Das war teilweise so nervig und störte die Konzentration bei den Startvorbereitungen, dass ich das Vario meist ausgeschaltet ließ, bis ich gestartet war.

Das neue BipBip PRO gibt am Startplatz keinen Mucks von sich. Hebt der Pilot ab, gibt es ein kurzes akustisches Signal und das Vario nimmt freudig seine Arbeit auf. Das funktioniert wirklich absolut zuverlässig.

Wo ich schon dabei bin, will ich auch gleich mit der Beschreibung des Weak-Lift-Detectors weitermachen. Für mich als Pilot, der sich im Mittelgebirge und im Flachland oftmals mit kniffliger Aufwindsuche und schwachem Steigen konfrontiert sieht, ist diese „Nullschieber-Erkennung“ eine wirklich feine Sache.

Ich versuche das mal wie folgt zu beschreiben:

Befinde ich mich im Gleitflug und habe nur mein Eigensinken, ist das Vario still.

Gleite ich durch Luftmassen, die mir ein vermindertes Sinken bescheren (von -30cm/s bis +10cm/s) ertönt der Buzzer. Die Akustik ist dabei so sensibel eingestellt, dass je nach Länge bzw. Kürze der Tonfolge die umgebende Luftmasse sehr gut gelesen und abgescannt werden kann:

  • langsam gezogene Buzzer-Töne –> wieder mehr Sinken bzw. das Steigen nimmt wieder ab
  • schnelle Aneinanderreihung der Buzzer-Töne –> Steigen nimmt zu, man nähert sich nutzbarem Aufwind

Diese sensible, quasi akustische „Visualisierung“ der umgebenden Luftmassen ermöglicht feine Korrekturen der Gleitrichtung. Mal mit dem Gewicht nach links shiften, dann wieder nach rechts; für mich ist das eine unglaublich große Hilfe für die Linienwahl im Gleitflug.

Bewerte ich meine Lage so, dass ich in erreichbarer Umgebung keine zuverlässig nutzbare Aufwindquelle ansteuern kann, so bleibt dennoch die Möglichkeit, im Bereich des verminderten Sinkens weiterzusuchen. Dieser Bereich reicht zwar nicht zum Zentrieren bzw. zum Höhengewinn aus, aber wer weiß – gut möglich, dass hier eine Thermikquelle am Werk ist bzw. war, die in Bälde wieder Nachschub gen Himmel entlässt.

Erreiche ich endlich wirklich nutzbaren Aufwind, ändert sich die Akustik fast verzögerungsfrei (Ansprechgeschwindigkeit ist stufenweise einstellbar). Aus dem Buzzen wird das so geliebte Piepen, das unsere Herzen höherschlagen lässt.

Dieses schnelle, fast verzögerungsfreie Ansprechverhalten des BipBip PRO ist einfach nur genial; gerade wenn es darum geht, kleine enge Kerne oder windversetzte Blasen zu zentrieren, denn hier ist schnelles Reagieren und Nachzentrieren unabdingbar.

Freilich ist auch der Sinkalarm individuell einstellbar. Die einen nervt’s, für mich jedoch ein wichtiges Tool und eine weitere Hilfe, gerade beim Einsatz des Beschleunigers.

Apropos individuelle Einstellbarkeit. Eine weitere Neuerung zum Vorgänger sind die zwei vorprogrammierten Soundprofile:

  • langgezogene, progressive Töne mit variablen, fein akzentuierten Tonhöhen
  • kurze, knackige Töne

Der Vorgänger kannte nur die schnellen, kurzen Töne. Das funktionierte gut, hörte sich aber immer etwas blechern an.

Übrigens, der Lautsprecher am BipBip PRO hat stark an Leistung zugelegt. Ich kann das BipBip PRO nun endlich so laut stellen, dass ich es auch bei Befestigung am Cockpit und mit Sturmhaube/Stirnband unter dem Helm mit den stets herrschenden Windgeräuschen super klar hören kann.

Da ich durch den Vorgänger an die kurze, stakkatoartige Tonmodulation gewöhnt war, stellte ich für meinen Erstflug das BipBip PRO auf dieses Soundprofil ein und musste mich damit zunächst überhaupt nicht umgewöhnen. Prima dachte ich – das alternative Soundprofil wollte ich in Anbetracht der Testtätigkeit obligatorisch natürlich auch mal ausprobieren. Kurzum mittels Ein-Knopf-Bedienung eingestellt (kann auch ganz einfach im Flug umgestellt werden), war ich vom Ergebnis wirklich positiv überrascht. Die langgezogene, tiefere Tonmodulation hört sich klasse an. Kein Spielzeug-Flair, kein blechernes Piepsen mehr. Nach einigen Flugstunden bin ich hellauf begeistert und möchte dieses Soundprofil nicht mehr wechseln. Das geniale daran: Im Vergleich zum kurztönigen Soundprofil empfinde ich diese langgezogenen Töne als noch präziser bzw. akzentuierter. Die Ab- bzw. Zunahme der Tonlänge und deren Aneinanderreihung ist unglaublich eingängig und leicht verständlich. Mehr Schräglage oder weniger Schräglage, Shift nach außen oder doch weiter nach Innen in den Kern drücken – dieses Soundprofil des BipBip PRO macht solche Entscheidungen noch leichter bzw. intuitiver.

Ein paar Worte möchte ich noch zum Akku bzw. dessen Laufzeit verlieren. Dieser wird beim BipBip PRO über eine leistungsstarke Solarzelle gespeist, kann aber auch via Micro-USB über das Stromnetz geladen werden. Beim BipBip PRO kann ich an dieser Stelle noch nicht wirklich von Langzeiterfahrung sprechen. Der Vorgänger jedenfalls ließ mich in dieser Hinsicht nie im Stich. Das Vario funktionierte einfach immer! Selbst nach vielen Wochen im Winterschlaf im dunklen Keller erwachte das BipBip+ zum Frühjahr umgehend auf Knopfdruck – ohne es vorher eine Weile in die Sonne gelegt zu haben.

Ich gehe daher davon aus, dass es sich beim BipBip PRO genauso verhalten wird.

 

Fazit

Wie ihr unschwer beim Lesen dieser Zeilen erkennen konntet, bin ich hellauf begeistert vom neuen BipBip PRO. Unterstützte mich schon der Vorgänger massiv beim Nutzen von Aufwinden und Auffinden guter Linien, so ist das nunmehr erhältliche BipBip PRO ein mehr als würdiger Nachfolger – hat das Vario doch in allen Funktionsbereichen nochmal eine ordentliche Schippe draufgelegt.

Im Detail gefallen mir besonders die automatische Starterkennung (kein nerviges Gepiepe mehr am Startplatz), die unterschiedlichen Soundprofile mit ihren präzisen, fein akzentuierten Tonmodulationen (in Kombination mit dem super nützlichen Weak-Lift-Detector) und die nunmehr völlig ausreichend regulierbare Lautstärke.

Alles in allem spricht mich das gleichzeitig leistungsstarke wie minimalistische Gesamtkonzept des BipBip PRO einfach total an.

Alleine genutzt kannst du das Fliegen ganz ursprünglich und puristisch (sogar lautlos via LED Anzeige) erleben und genießen. Kombinierst du das BipBip PRO mit einem klassischen Display-Vario, kannst du zu allen Strecken und Routen deiner Träume aufbrechen.

Hinzu kommt der angesichts der gebotenen Performance wirklich faire Preis.

Zu guter Letzt: Das BipBip PRO ist grün. Grün ist die Farbe der Hoffnung – und die darfst du beim Fliegen nie verlieren; irgendwo steht immer ein Bart und den wirst du mithilfe des BipBip PRO ganz sicher finden. Getreu dem Slogan auf der Verpackung: „Always on top“ 😉

In diesem Sinne, viel Spaß beim Fliegen mit dem BipBip PRO. Schreibt doch gerne eure Erfahrungen mit dem BipBip bzw. den Geräten von Stodeus Solar Paragliding unten in die Kommentare!

 

Cheers!

TESTED: JULBO Stream

Werbung / Transparenz

Die im Folgenden beschriebene Sonnenbrille wurde mir von Julbo für Testzwecke zur Verfügung gestellt. Ich durfte die Sonnenbrille nach Abschluss der Testarbeiten unentgeltlich behalten. Weder für die Verfassung dieses Textes noch für die Darstellungen auf Instagram erhielt ich von Julbo eine finanzielle Zuwendung. Auch erfolgte seitens Julbo keinerlei Einflussnahme hinsichtlich der zur Brille veröffentlichten Inhalte.

 

Vorwort

Es ist offensichtlich: Die Augen sind wohl das zentrale Sinnesorgane von uns Menschen, ermöglichen sie uns doch erst den visuellen Zugang zu unserem wunderschönen, facettenreichen Planeten. Aus dieser zentralen Stellung im Reigen bzw. Zusammenspiel unserer Sinne lässt sich auch ohne tiefgreifende medizinische Kenntnisse das Erfordernis ableiten, unsere „Fenster zur Welt“ vor schädigenden Umwelteinflüssen wie zum Beispiel direkter Sonnen-/ UV-Einstrahlung zu schützen – sollte doch ein jeder von uns bestrebt sein, seine naturgegebene Sehleistung bis ins hohe Alter bestmöglich zu erhalten.

„Schau mir in die Augen, Kleines!“ Genau, Augen sind ja nicht nur Sinnesorgan, sondern auch unmittelbarer Dreh- und Angelpunkt zwischenmenschlicher Kommunikation. Und da unsere verbale und nonverbale Kommunikation stets von unserem Gesamterscheinungsbild begleitet wird, liegt das Folgehandeln auf der Hand: Eine coole Sonnenbrille muss her 😉

Eine Sonnenbrille fürs Gleitschirmfliegen – das Anforderungsprofil

Ich stellte eingangs fest: „Eine coole Sonnenbrille muss her.“ Man kann ja über das Streben nach einer gewissen „Coolness“ schmunzeln, aber mal ehrlich: Wir Outdoor- Enthusiasten, die wir für die unseren Sport, für unsere Passion Tag ein Tag aus brennen, wir wollen bei der Ausübung unserer Lieblingsbeschäftigung einfach auch gut aussehen. Eitelkeit? Nö, ich betrachte das als Lifestyle!

Coole Sonnenbrillen gibt es ja nun wirklich an jeder Ecke. Aber „Coolness“ bzw. die Optik ist natürlich nur die eine Seite der Medaille.

Allein aus gesundheits- und sicherheitsrelevanten Gesichtspunkten sollte nicht unbedingt zum 30 € Modell aus dem Discounter oder der nächstgelegenen Strandbar gegriffen werden. Warum?

Zum einen sollte die Brille aus geeigneten Materialien gefertigt und hochwertig verarbeitet sein. Wir Gleitschirmpiloten (aber auch Trailrunner, Biker, Bergsteiger, etc.) setzen unsere Sportbrillen erhöhten mechanischen Belastungen aus: Vibrationen, Erschütterungen, Stöße und, im Worst-Case-Szenario, auch mal ein Crash! Da ist es wichtig, dass die Brille robust und solide gefertigt und speziell für solche Belastungen ausgelegt wurde. Materialversagen an den Glaseinfassungen oder den Scharnieren der Brillenbügel wäre nur ärgerlich. Materialbrüche am Gestell mit scharfkantigen Bruchstellen als Folge stellen dagegen ein konkretes und nicht zu unterschätzendes Verletzungsrisiko dar.

Aber auch den an der Brille zum Einsatz kommenden Gläser sollte Beachtung geschenkt werden – dies gilt insbesondere für uns Gleitschirmpiloten. Beim Fliegen haben wir es mit ständigen Veränderungen der Lichtverhältnisse zu tun. Mal brezelt uns die Sonne unbarmherzig ins Gesicht, wenig später fliegen wir unter großen Abschattungen. Haben wir komfortable Arbeitshöhe, können wir unsere Blicke direkt gen Himmel richten und die Wolken in ihren Entstehungszyklen beobachten. Dabei wollen wir natürlich nicht von der Sonne geblendet werden, gilt es doch, die Konturen unserer weißen Thermikanzeiger klar und deutlich betrachten und interpretieren zu können. Kommen wir dagegen tief und kämpfen gegen das Absaufen, so richten wir unseren Fokus eher gen Boden. Fliegen wir unter einer großen Abschattung, ist eine weitere Verdunkelung durch die Brillengläser kontraproduktiv, da wir gerade dann die Konturen des Reliefs genau scannen und lesen müssen. Also wäre es doch sinnvoll, unsere Sonnenbrille könnte quasi „intelligent“ auf das Umgebungslicht bzw. die Umgebungshelligkeit reagieren und sich blitzschnell entsprechend adaptieren.

Gleiches gilt natürlich auch in Bezug auf andere Sportarten und deren Anforderungen. Ich denke das zum Beispiel ans Mountainbiken oder Trailrunning. Biegen wir da von einer Sonne beschienenen Flächen auf einen kleinen, schattigen Trail ab, so ändern sich die Lichtverhältnisse im Handumdrehen – ungetrübte Konturenwahrnehmung ist in solchen Szenarien einfach immens wichtig für die Sicherheit des Sportlers.

Julbo – ein französischer Traditionshersteller

Julbo ist eine französische Traditionsmarke, deren Ursprünge bis ins Jahr 1888 zurückreichen. Ja, du hast richtig gelesen: 1888!

Nach den ersten Jahren begann Gründer Jules Baud Anfang des 20. Jahrhunderts mit der Fertigung von Hochgebirgssonnenbrillen für emsige Kristallsucher aus Chamonix.

Tradition, Innovation und stetiges Streben nach Perfektion prägten die Firmenhistorie von Julbo – und das bis zum heutigen Tag. Reichlich Erfahrungsschatz ist also garantiert, wenn es bei Julbo darum geht, sich jedem Einsatzbereich individuell zu widmen und Sportsonnenbrillen im Geiste der heutigen Zeit für anspruchsvolle Athleten und Abenteurer zu entwerfen.

Wer mehr über den Traditionshersteller Julbo und dessen bewegte Firmengeschichte, einschließlich der historischen Meilensteine, erfahren möchte, der kann das hier nachlesen.

Heute entwickelt Julbo neben Sonnenbrillen auch Skibrillen und Skihelme.

Vorstellung der Julbo Stream

Welche Brille sollte es also werden? Als ich von der Julbo Marketingabteilung das „Go“ für unsere Zusammenarbeit bzw. diesen Testbericht erhalten hatte, besuchte ich ohne Umschweife die offizielle Julbo Website bzw. den deutschsprachigen Onlineshop. Dabei zeigte sich gleich: Der interessierte Kunde hat bei Julbo die Qual der Wahl – im positiven Sinne, denn bei Julbo strebt man keine Universallösungen an. Vielmehr hat man dort erkannt, dass die Anforderungen der jeweiligen Einsatzgebiete bzw. Sportarten hochindividuell sind und daher spezifisch bedient werden wollen. Bei der Auswahl und Entscheidungsfindung hilft der optisch ansprechend aufgebaute Onlineshop von Julbo rasch weiter. Hier kann man sich, übersichtlich nach Sportarten geordnet, sämtliche Kollektionen und Modelle anzeigen lassen.

Nach einiger Zeit der Recherche entschied ich mich letztendlich für das Modell „Stream“. Dieses Modell ist unter den Sportarten „Mountainbike“ und „Triathlon“ geführt, wird von Julbo jedoch als „vielseitige Sonnenbrille für alle Outdoor-Sportarten“ beworben. Neben der sportlich-ästhetischen Form des Gestells und der im Website-Text angepriesenen guten Belüftung, waren es vor allem die speziellen Brillenbügel der „Stream“, die am Ende ausschlaggebend für meine Auswahl waren. Diese sind nämlich 360° verstellbar – ein Feature, das mir gerade für den Einsatz beim Gleitschirmfliegen als überaus sinnvoll erschien, trägt man doch beim Fliegen über Stunden hinweg einen Helm.

Die vollständigen technischen Eigenschaften der JulboStream“ finden sich auf der Website – hier der Originaltext zitiert:

  • „Air Flow: In den Rahmen integrierte Belüftung zur Optimierung der Luftzirkulation zum Schutz vor Beschlagen.
  • Grip Nose: Weiches, stoßfestes und rutschsicheres Nasensteg-Insert.
  • Grip-Tech Bügel: Exklusives Soft-Material auf den Bügeln, das nicht an den Haaren haftet. Es gewährleistet absoluten Tragekomfort und einen sicheren Sitz.
  • Gut abdeckendes Wraparound-Profil: Gut abdeckendes Profil, das hohen Schutz und gute Sicht verbindet.
  • Um 360° verstellbare Bügel: Die Bügelenden können in alle Richtungen ausgerichtet werden. Die Brille kann bequem unter einem Helm, auf einer Mütze oder ohne Kopfbedeckung getragen werden und hat immer festen Halt.“

In meinen Ausführungen zur Praxiserprobung werde ich auf die einzelnen hier genannten Punkte genauer eingehen.

Die Brillengläser – Reactive Performance

Ist die finale Entscheidung für ein bestimmtes Modell getroffen, so darf sich der Kunde auf den nächsten Schritt freuen: Die Wahl der Brillengläser! Zur Auswahl stehen Gläser in verschiedenen Performance-Stufen.

Wie unter dem Punkt „Anforderungsprofil“ bereits dargestellt, war für mich die automatische Anpassung an die herrschenden Lichtverhältnisse bei der Auswahl der Brillengläser entscheidend. Darüber hinaus kommt, speziell für den Einsatz beim Gleitschirmliegen, ein weiteres wichtiges Kriterium hinzu: Eine Filterung, die eine gute Ablesbarkeit von Displays (Smartphone und Fluginstrumente) uneingeschränkt gewährleistet.

Passend zu diesen speziellen Anforderungen wurde mir vom Julbo Marketing-Team, passend zum Modell „Stream“, die „Reactive Performance Gläser 1-3“ empfohlen. Ich folgte dieser Empfehlung und so fiel meine Wahl dann eben auf genau diese. Julbo beschreibt die Reactive-Performance Gläser 1-3 auf ihrer Website mit den folgenden Worten:

„Selbsttönende Gläser (Kat. 1 bis 3 – Übertragungsrate des sichtbaren Lichts: 17% – 75%): Je nach Lichtstärke dunkeln sie sich ein oder hellen sich wieder auf und passen sich so den ganzen Tag lang an die jeweiligen Lichtverhältnisse und wechselndes Gelände an. Beschlagschutzbehandlung auf der Innenseite und ölabweisende Behandlung auf der Außenseite (verhindert Finger- bzw. Fettspuren, erleichtert das Reinigen und sorgt dafür, dass Wasser auf dem Glas abperlt). Ideal fürs Mountainbiken und Trailrunning.“

Hört sich geradezu perfekt an für den Einsatz beim Gleitschirmfliegen.

Also ab nach draußen! Schauen wir doch mal, wie sich die versprochene Performance der Gestell-Gläser-Kombination im harten Praxisalltag schlägt.

Get outside! Einsatz in der Praxis

Nicht, dass ich nicht daran glaube, dass ein renommierter Brillenspezialist wie Julbo sein Handwerk nicht beherrscht. Aber Marketing ist eben Marketing und Werbetexte und die damit einhergehenden, zumeist verheißungsvoll klingenden Werbeversprechen müssen sich letztendlich am harten Outdoor-Einsatz messen lassen. So auch in meinem Test:

Zwar bin ich mit Leib und Seele dem Gleitschirmfliegen verschrieben, jedoch bin ich auch durch und durch Sportler; und das ist gut so, zeigt doch das Wetter uns Tuchfliegern gerne mal die kalte Schulter und vermiest über Tage hinweg jegliche Flugambitionen. Fliegt es, gehe ich (nicht nur zu Corona-Zeiten) regelmäßig kleinere Hike & Fly Touren, kombiniere also das Wandern mit dem Fliegen. Zeigt sich das Wetter ungeeignet für fliegerische Unternehmungen, trainiere vorwiegend meine Ausdauer. Am liebsten durchstreife ich dann beim Trailrunning auf schmalen flowigen Pfaden den heimischen Schwarzwald oder genieße im Alltag die kleine große Freiheit und das Unterwegssein auf sportlich genussvollen Radtouren.

Mehr als genug Gelegenheiten also, die JulboStream“ mit den Reactive Performance Gläsern ausgiebig zu testen.

Das erste Auspacken (auf Neu-Deutsch „Unboxing“) der „Stream“ gefällt. Alles an der Brille wirkt sauber und hochwertig verarbeitet. Da wackelt nichts, alles wirkt wie aus einem Guss. Die Scharniere der Bügel weisen einen angenehmen Widerstand auf und versprechen bereits in der Hand ein hohes Maß an Stabilität.

Apropos Bügel: Diese sind angenehm beschichtet. Weich, dennoch griffig, aber niemals klebrig; auch dann nicht, wenn sie durch den Schweiß von Haut und Haaren angefeuchtet werden.

Weiterhin lassen sich die Bügel wirklich 360° verdrehen und verbiegen. Das kann man sich in etwa wie die Verformung einer stabilen Knetmasse vorstellen. Einmal in Form gebracht, verbleiben die Bügel exakt in dieser Position.

Bereits beim ersten Anprobieren habe ich das Gefühl, dass sich die Brille unglaublich gut ins Gesicht fügt, dabei sowohl Kopf als auch Schläfen angenehm umschließt. Der bezüglich meiner Kopfform zunächst nicht hundertprozentige Sitz lässt sich ganz einfach perfektionieren, indem man die Bügel durch deren Biegsamkeit so in Form bringt, dass sich die Brille wie eine Individualanfertigung anschmiegt. Klasse gelöst, Julbo!

Der nächste Tag. Ich schiele nach draußen und beobachte die Bäume, die gelassen aber folgsam im stark böigen Wind ächzen. An Fliegen ist nicht zu denken. Tja, Schönwetter ist eben nicht gleich Flugwetter. Na dann, Laufschuhe an und raus auf die Trails!

Entlang Wiesen und Obstbäumen geht es gen Berg. Die Sonne steht mir voll ins Gesicht, dennoch ist die Frühjahrsluft noch frostig kalt. Zunächst macht die JulboStream“ als Sonnenbrille erstmal das, was man von ihr ganz offensichtlich erwartet: Sie schützt meine Augen vor der Sonneneinstrahlung und hält die Helligkeit fern, sodass ich ohne Blinzeln oder Augen zusammenkneifen ganz entspannt dahinlaufen und die Natur genießen kann. Aufgrund der Umgebungskälte kondensiert meine Atemluft und streift im Takt der Schritte an meinem Sichtfeld vorbei. Die im Rahmen integrierten Belüftungsmechanismen scheinen effektiv zu funktionieren. Ich nehme keinerlei Beschlagen der Gläser wahr.

Genug der breiten Wege. Ich tauche ein in den Wald und nehme gleich den ersten verlockenden Singletrail, der steil links weggeht. Ich lasse es laufen. Der weiche, feuchte Waldboden ist mit Steinen und Wurzeln durchzogen. Jetzt bin ich aber wirklich überrascht! Normalerweise ziehe ich an solchen Übergangsstellen zwischen hell und dunkel rechtzeitig die Sonnenbrille ab, sodass ich trittsicher das anstehende Gelände bewältigen kann. Das entfällt hier komplett. Schnell lässt die Tönung der Reactive Peformance Gläser nach und passt sich den dunkleren Lichtverhältnissen des Waldes an. Geil! Ich sehe messerscharf jedes Detail am Boden und kann einfach weiterlaufen und im Flow bleiben. Ganz ehrlich, dass diese Helligkeitsadaption so gut funktioniert, hätte ich nicht erwartet!

Es ziehen einige weitere Tage ins Land, bis das Wetter und ich wieder Freunde sind – es fliegt endlich wieder im Schwarzwald!

Eben schnell den frühen Feierabend eingereicht, stehe ich auch schon am Parkplatz meines Hausbergs. Der Aufstieg zum Startplatz erfolgt, ganz im Zeichen der aktuellen Gesundheitslage, zu Fuß.

Oben angekommen geht mir das Herz auf. Ein ordentliches Lüftchen weht von vorne, die Sonne steht triumphierende an einem ungetrübt blauen Bilderbuch-Himmel, der sich prahlerisch mit formschönen weißen Cumuli schmückt. Ein Traum!

Prächtig zeigen sich heute nicht nur das Wetter, sondern auch die Steigwerte. Auf einem schönen lokalen Rundflug von über 3 Stunden kann ich die JulboStream“ ausführlich testen.

Fangen wir mal mit dem an, was wir als Flieger direkt vor der Nase haben – genau, unsere Instrumente. Neben dem klassischen Vario verwende ich dazu ergänzend ein Smartphone. Kurzum: Ich habe den Durchblick! 😉 Mit den Reactiv Performance Gläsern kann ich keinerlei Einschränkungen in Bezug auf die Display-Ablesbarkeit feststellen.

Der erste Bart des Tages ist genommen und ich begebe mich auf Gleitstrecke. Wohin soll es als nächstes gehen? Ich beobachte die sich stets aufbauenden und wieder zusammenfallenden Cumuli, welche sich von meiner Position aus in realistischer Reichweite befinden. Die Sonne steht hoch und brennt mir gnadenlos auf das Haupt. Dennoch kann ich ganz entspannt und ohne Anstrengung Struktur und Form der weißen Thermikanzeiger studieren. Die Reactive Performance Gläser dunkeln angenehm ab, schützen dabei effektiv meine Augen und ich kann gelassen den Himmel abscannen. Das Gestell der JulboStream“ ist dabei so geformt, dass die Augenpartie rundum abgedeckt ist; so werden meinem Empfinden nach auch die peripheren Bereiche effektiv abgeschirmt und damit vor schädlicher Einstrahlung geschützt.

Es ist später Nachmittag. Die Sonne zwinkert bereits aus Westen, leistet Überstunden und befeuert weiterhin unermüdlich die bodennahen Luftschichten. Es geht gut. Zu gut. Ein Moment der Unachtsamkeit, ein paar Kreise zu viel und ich klebe an einer mächtigen Basis. Nun aber schnell weg, bevor die Sicht verschwindet. Hier ist es merklich dunkler als ein paar hundert Meter tiefer. Wie bereits beim Trailrunning lobend festgestellt, glänzen die Reactive Performance Gläser auch in dieser Situation mit einer raschen Helligkeitsadaption. Fließend aber merklich nimmt die Tönung ab. Ich erkenne meine Instrumente glasklar und kann mich am weit entfernten Boden unter mir orientieren. Kurz die Ohren angelegt, ins Gas getreten und im Nu tauche ich wieder ein ins helle Sonnenlicht über dem weitläufigen Relief des Schwarzwalds.

Fazit

Gleitschirmfliegen ist kein billiges Hobby. Schirm, Gurtzeug, Fluginstrumente, Helm – da kommt schnell mal ein kleines Vermögen zusammen. Die Mehrheit unter uns sind „Normalverdiener“ – und als solcher schaut man eben, wo bzw. an welcher Stelle man ein paar Kröten einsparen kann.

Reflektiere ich mich und mein dahingehendes Einsparverhalten selbst, so muss ich mir eingestehen, dass ich in Vergangenheit doch etwas am falschen Ende gespart hatte: Beim Augenschutz. „Die Sonnenbrille für 30,00 € vom Discounter sieht doch auch ganz passabel aus und wird’s schon irgendwie richten“ – so oder so ähnlich ließen sich mein bis dato angestellten Überlegungen in Worte fassen. Nach Einlesen in die Materie „Augenschutz“ und einigen Gesprächen mit Bergsportlern aus meinem Bekanntenkreis, ließ ich mich schließlich eines Besseren belehren.

Gesagt, getan; eine neue Brille für’s Fliegen musste her. Aber bei welchem namhaften Hersteller am Markt umsehen?

Nun, einige sehr gute Gleitschirmpiloten, die ich entweder persönlich oder via Social Media kenne, setzten bereits seit Jahren auf die Sportbrillen des französischen Traditionsherstellers Julbo; und da ich für Tipps und hilfreiche Empfehlungen in puncto Equipment immer offen und dankbar bin, stand meine Wahl für Julbo alsbald fest.

Ganz ehrlich und ohne dabei zu doll auf die Werbe-Pauke trommeln zu wollen, kann ich besten Gewissens sagen: Für mich ist die JulboStream“ mit den Reactive Performance Gläsern ein echter Gamechanger bei der Ausübung meines Sports. Ich habe mit diesem Modell eine Brille, die ich sowohl beim Gleitschirmfliegen, als auch beim Hiken, Trailrunning und Biken einsetzten bzw. tragen kann; darüber hinaus sieht die Brille einfach mega cool aus und taugt mir daher auch als Sonnenbrille für den Alltag – Balkon, Strand, Biergarten, alles geht.

Zum Schluss möchte ich meine Eindrücke nochmal zusammengefasst darstellen:

  • Die Brille ist super hochwertig und robust verarbeitet. Die Haptik ist grandios, man nimmt sie einfach gerne aus dem Etui in die Hand und freut sich dann auf den Einsatz bzw. darauf, die Brille zu tragen.
  • Sie hat einen genialen Sitz und fügt sich wie in einem Guss auf das Gesicht und vor das Sichtfeld. Mit den angenehmen Materialien an Nasensteg und Bügeln fühlt sich die Brille nie in irgendeiner Art störend an.
  • Gestell samt Gläser sind in ihrer Form so beschaffen, dass sie den sensiblen Augenbereich wirklich großzügig abschirmen und so effektiv vor schädlicher Einstrahlung schützen.
  • Dank guter Belüftungsmechanismen gehören beschlagene Brillengläser bei der Aktivität fortan der Vergangenheit an.
  • Jeder von uns hat einen ganz eigenen Dickschädel 😉 – dank der 360° verstellbaren Bügel kann die Julbo Stream kinderleicht an deine individuelle Kopfform angepasst werden. Selbst bei stundenlangem Einsatz unter einem Helm drückt und zwickt da nichts.
  • Egal ob gleißendes Sonnenlicht beim Studieren von Wetter und Wolken oder bei der Betrachtung des schattigen Reliefs beim hangnahen kratzen; egal ob du auf lichtdurchfluteten Bergrücken dahintrabst oder über enge dunkle Waldtrails mit dem Biken gen Tal ballerst: Dank der Reactive Performance Gläser bist du stets im Bilde über deine Umgebung und kannst blitzschnell auf diese reagieren.

Ich hoffe, ich konnte euch, liebe Leserinnen und Leser, den Mehrwert einer guten, qualitativ hochwertigen Sonnenbrille vermitteln oder euch die Thematik zumindest ein Stück näherbringen.

Habt auch ihr bereits Erfahrungen mit Sportbrillen von Julbo oder anderen namhaften Herstellern gemacht? Dann lasst doch die Community hier auf liftuup daran teilhaben und schreibt ein paar Zeilen zu euren Erfahrungen gleich unten in die Kommentare. Wie immer freue ich mich darauf, von euch zu lesen!

Cheers!

TESTED: UP Kangri

Transparenz / Werbung

Als Teampilot bei UP bin ich mit der Truppe aus Garmisch-Partenkirchen bekannt, befreundet und verbandelt.

Den Kangri habe ich mir selbst von meinem eigenen Geld gekauft. Die Initiative zum Verfassen dieses Textes kam alleine von mir. Seitens des Herstellers UP Paragliders gab es keinerlei Vorgaben oder Einflussnahme auf die folgenden Inhalte.

copyright: Sandor Nusser

Vorbemerkung

Achtung: Dies ist kein Testbericht! Die folgenden Zeilen strotzen gerade so vor Subjektivität. Mein Schirm, meine Eindrücke und einfach meine Freude, darüber zu schreiben und zu berichten!

Englischsprachiger Technikjargon, trockene Konstruktionsdaten und Leistungsmessungen anhand zweifelhafter Steigvergleiche und nichtssagenden Trimmspeedrennen in bewegter Luft finden sich woanders 😉

Den Kangri in Größe M (75 – 100 kg) erhielt ich Mitte August 2020. Bis Ende September / Anfang Oktober konnte ich mit dem Schirm noch knapp 40 Stunden Airtime verbuchen, darunter viele Genussflüge im Schwarzwald und in den Alpen, aber auch das eine oder andere kleinere Streckenabenteuer. Mein Abfluggewicht lag im Testzeitraum bei etwa 92 kg.

 

Allgemeines

Der Summit XC 4 und ich waren bis zum Sommer 2020 so richtig gute Kumpels geworden. Ein vertrautes und eingespieltes Team sozusagen, was nach knapp 140 Stunden gemeinsam in der Luft ja auch nicht weiter verwunderlich war. Der Summit gab mir beim Fliegen so ziemlich alles, was ich mir von meinem Fluggerät wünsche bzw. erwarte: Er startete zuverlässig, hatte im Klassenvergleich in allen Beschleunigerstufen richtig viel Speed zu bieten, zeigte Luftbewegungen gut an, wirkte beruhigend und vertrauensbildend an meinen persönlichen „Schisser-Tagen“ und machte vor allem eines: verdammt viel Spaß!

Warum also einen Schirm wechseln, der einem so ans Herz gewachsen und bei dem der „Grins-Faktor“ beim Fliegen fast schon garantiert war?

Als ich mich damals für den Summit XC 4 als neuen Schirm entschied, passte hinsichtlich der technischen Eckdaten des Geräts und den bis dato gewonnenen subjektiven Eindrücken soweit eigentlich alles – bis auf das Gewicht. Als Hike & Fly affiner Pilot, der sich den Flug gerne und regelmäßig sportlich erarbeitet, schreckte mich das doch recht hohe Kappengewicht des Summits ein wenig ab. Ich entschied mich trotzdem für den Kauf und kompensierte das Mehr an Gewicht mit dem extra Mehr an Zunder in den Wadeln 😉

Als UP dann in der Folge den Kangri launchte und das Kappengewicht in meiner Größe M mit 3,9 kg angab, war ich sofort on fire. Die Vorstellung, den für mich so genialen Summit XC 4 in leichtem Tuchgewand und damit gewichtsmäßig deutlich abgespeckt bekommen bzw. fliegen zu können, gefiel mir und so war die Entscheidung pro Kangri doch recht bald gefällt.

Nach dem Zusammenkratzen des notwendigen Kleingelds und dem Zurechtlegen einer passenden Argumentationsstrategie für die Überzeugungsarbeit gegenüber meiner Frau, war es dann Mitte August 2020 endlich so weit: Das Paket mit dem heiß begehrten Inhalt flatterte in Haus.

copyright: Sandor Nusser

copyright: Jonas Böttcher

Lieferumfang

Der Kangri wird mit dem Zellpacksack „Parasleeve 2“ und dem Leichtrucksack „Summiteer light“ ausgeliefert. Den Zellpacksack hatte ich schon bei Kibo und Summit XC 4 im Einsatz. Er ist robust verarbeitet und funktioniert wirklich super – allerdings ist er doch recht schwer (460 gr. in Größe M). Somit ist es fast zu schade, den leichtgewichtigen Kangri in ein so schweres Gewand zu hüllen 😉 Da gibt es auf dem Zubehörmarkt leichtgewichtigere Lösungen.

Richtig leicht dagegen ist der Rucksack „Summiteer light“. Der bringt in Einheitsgröße S gerade mal 385 Gramm auf die Waage. Ich verwende den Rucksack gerne auf meinen Hike & Fly Touren und empfinde den Tragekomfort als sehr angenehm. Der Rucksack ist aus hauchdünnem Rip-Stop Gewebe gefertigt (40er Skytex / Dominico) und gehört damit eher zu den filigranen Vertretern seiner Gattung. Für den harten und oft unachtsamen Fliegeralltag (Gondel, Bergbahn, Shuttlebus, etc.) verwende ich ihn daher nicht.

 

Unboxing

Ach wie ich es liebe, einen nagelneuen Gleitschirm zum ersten Mal auszupacken und aufzuziehen – dieses Rascheln und Knistern ist wie Musik in den Ohren 😉 Im Vergleich zum Summit fällt natürlich gleich das leichte Tuch ins Auge. Zum Einsatz kommt dabei eine Kombination aus 32er und 27er Skytex – leicht und bewährt also. Wer seinen Schirm nicht gerade regelmäßig über die schroff-scharfen Soaringhänge von Lanzarote oder Marokko prügelt, sollte in Puncto Langlebigkeit eigentlich kaum Einbußen hinnehmen müssen.

Das Leinensetup entspricht dem heutigen Geist moderner Leistungsschirme und zeigt sich einfarbig und gänzlich ohne Mantel.

Richtig geil finde ich die neu konstruierte Arretierung der Steuergriffe am Tragegurt. UP nennt das System „Snap-Lock.“ Dabei wird der Bremsgriff durch einen zylinderförmigen Magneten in eine U-förmige Halterung am Tragegurt gezogen und auf diese Weise arretiert. Ich hatte bereits beim Kibo 2 darüber berichtet. Das funktioniert so unglaublich gut und spielerisch – ich möchte nie wieder mit klassischen Druckknöpfen hantieren.

 

Starten & Bodenhandling

Schon den Summit XC 4 empfand ich als sehr zuverlässigen Starter; spurstabiles Hochkommen und keine Tendenz zum Überschießen oder Aushebeln zeichneten den Streckenflügel aus. Ich weiß aber auch, dass es gerade diesbezüglich im deutschsprachigen Gleitschirmforum andere Meinungen bzw. Wahrnehmungen gab. Aber ich kann eben nur von meiner Warte aus sprechen. Ich kam mit dem Summit immer sehr gut zurecht.

Aus meiner Sicht das einzige Manko beim Startprocedere mit dem Summit: bei Nullwind oder leichter Brise von hinten machte sich das schwere Tuch des Schirms in der Aufzieh- bzw. Füllphase bemerkbar. Da brauchte es ab und an eine wirklich konsequente Führung, damit die Kappe zuverlässig bis zum Zenit marschierte. Die mit Stäbchen verstärkte und damit recht schwere Eintrittskante tendierte zudem in steilerem Startgefälle bei fehlender Vorwindkomponente dazu, von alleine einzuklappen bzw. umzuschlagen, was mitunter etwas nervig sein konnte.

Nach Erhalt des Kangri marschierte ich mit dem neuen Flügel zunächst auf die Groundhandlingswiese, um einen ersten Eindruck in Bezug auf das Startverhalten zu bekommen. Nach ausgiebigen Boden-Sessions und zahlreichen Starts in fast allen denkbaren Bedingungen, kann ich mittlerweile ein ganz gutes Bild über das Startverhalten des Schirms skizzieren.

Das leichte Tuch macht sich beim Kangri äußert positiv bemerkbar. Der Kangri steigt auch bei Nullwind schon bei leichtem Zug der A-Leinen zuverlässig über den Piloten (sowohl vorwärts als auch rückwärts aufgezogen). Mit etwas deutlicherem Zug gelingen so auch Start bei leichtem Rückenwind, was gerade beim Hike & Fly durchaus als wichtige Tugend gelten darf. Die äußeren (geschlossenen) Zellen bleiben dann etwas länger ungefüllt. Wird Fahrt aufgenommen, füllen sich diese aber zuverlässig; das Ganze kann mit einem kurzen Bremsinput noch unterstützt werden.

Einen markanten Unterschied zum Summit XC 4 erfuhr ich beim Bodenhandling in knackigeren Bedingungen, beispielsweise bei thermischen Ablösungen mit schnell wechselnden Windrichtungen. Der Kangri ist ein super agiler Flügel – auch am Boden. Beim Groundhandling macht das total Spaß. Auf Fingerzeig kann man die Kappe exakt dorthin dirigieren, wohin man möchte. Wechselseitiges Stabilo-Parken, Kiten – all das geht super exakt. Soviel Spaß diese Agilität auch macht, beim Start in anspruchsvollen Bedingungen erfordert die agile und um die Hochachse doch eher lebendige Kappe ein feinfühliges Händchen und mitunter eine schnelle Pilotenreaktion, um auf der gewünschten Spur zu bleiben.

Sowohl beim Groundln als auch beim eigentlichen Startvorgang spielt natürlich auch die doch beachtliche Streckung von 6,3 eine Rolle. Aufsteiger von niedrig gestreckten Schirmen sollten sich daher zunächst etwas mit dem Kangri eingrooven. Ist das geschehen, hat man mit dem Kagri am Boden richtig viel Spaß.

 

Fluggefühl und Thermikverhalten

Der das Fluggefühl prägende Charakter eines Gleitschirmprofils… wow! Gibt es irgendetwas Subjektiveres? Ich denke nicht. In diesem Punkt unterscheiden sich die Geschmäcker und Wahrnehmungen der Pilotenschar ja oft massiv. In Bezug auf die Mitteilsamkeit einer Kappe taugt mir persönlich die goldene Mitte. Ich mag weder die ganz stummen Charaktere noch die unsäglichen Plappermäuler. Knallt es im Frühjahr deftig, bin ich ziemlich froh darum, wenn mein Flügel etwas Arbeit für mich abnimmt, sozusagen „vorfiltert“ und dann nur diejenigen Infos an Steuerleinen und Tragegurte weitergibt, die mein Gehirn auch verarbeiten, deuten und letztendlich in Aktion umsetzen kann. Schirmmodelle, die ständig zippeln und zuppeln machen mich innerlich unruhig und lenken mich in der Folge zu sehr von meiner eigentlichen Flugaufgabe ab. Umgekehrt: Ein zu stummer Geselle erschwert das Zentrieren in wirklich schwachen Bedingungen oder auch das Auffinden guter Linien beim Gleiten.

Wie gesagt, das alles ist völlig subjektiv und jeder Pilot benötigt ein unterschiedliches Maß an Kommunikation zwischen ihm und seinem Fluggerät. Mir persönlich taugt die Mitteilsamkeit des Kangri sehr gut. Er zeigt Luftströme und Bewegungen der Luftmasse sehr gut an – sowohl über die Steuerleinen als auch über die Tragegurte. So gelang es mir mit dem Kangri oft, bessere Luftmassen zu erspüren und durch leichte Gewichtsverlagerung in Richtung des Steigens zu driften und so in der Summe einfach effektiver zu Gleiten. Da ich öfters aus dem Mittelgebirgsrelief des Schwarzwalds hinaus ins Flachland fliege, ist das eine Stärke des Schirms, die mir sehr zu Gute kommt.

copyright: Jonas Böttcher

Gestützt auf meine bisherigen Leichtschirmerfahrungen ging ich im Übrigen vor dem Erstflug mit dem Kangri davon aus, dass sich der Schirm ziemlich ähnlich wie sein schwererer Bruder, der Summit XC 4, fliegen bzw. anfühlen wird – vielleicht auf Grund des leichten Tuchs etwas weniger statt, dafür aber etwas verspielter, lebendiger und vielleicht auch einen Tick nervöser.

Erstaunlicherweise war gerade das Gegenteil der Fall – und der erste Eindruck verfestigte sich dann auch in den folgenden Flügen (bei gleichem TOW und dem gleichem Gurtzeug samt Gurteinstellung): Der Kangri liegt ruhiger und satter in der Luft als der Summit XC 4 – kommuniziert aber im Gegenzug auch etwas weniger mit dem Piloten. In durchwühlter Luft fühlt sich die Kappe homogener, kompakter an als die ihres schwereren Bruders.

Wie eigentlich alle Konstruktionen des UP Designers Frantisek Pavlousek zeigt sich auch der Kangri unglaublich stabil und klappresistent.

Im Sommer finden wir bei uns am Hausberg (Merkur bei Baden-Baden) mit der angrenzenden, zu dieser Jahreszeit oft stabilen Rheinebene regelmäßig stark überhitzte bodennahe Luftmassen vor – entsteht Thermik, ist diese dementsprechend garstig, da kleinräumig, scharfkantig und versatzanfällig bei Wind. Selbst unter Dauerbeschuss in dieser Böllerthermik zeigte sich der Kangri unbeeindruckt, klappte nicht und blieb stets auf der vorgegebenen Bahn. Ganz selten rollte mal der Außenflügel ein; die Schirmmitte blieb stets bockstabil. Weder im blubbernden Hexensud des Schwarzwaldes noch in der herzhaften Südflankenthermik des Piemont erfuhr ich am Kangri eine ernsthafte Kappenstörung.

Die „Workload“ empfand ich dabei trotz der beachtlichen Streckung als recht gering – jedenfalls geringer als beim schweren Bruder Summit XC 4. An objektiven Kriterien kann ich das nicht festmachen; vielleicht entstand dieser Eindruck einfach dadurch, dass der Summit XC 4 in kochender Luft viel stärker dazu neigte, sich in sich selbst zu verbiegen und zu verwinden – den Kangri empfand ich da eher wie einen soliden Block über mir.

Auch beim Rollen und Pitchen empfand ich den Schirm als sehr ausbalanciert. Kann man den Schirm beim induzierten Nicken mit wenigen Amplituden frontseitig zum Einklappen bringen, so pitcht der Schirm beim Biss in die Thermik bzw. beim Herausfallen aus starken Aufwinden nur sehr wenig und zeigt seinen Vorwärtsdrang deutlich und rechtzeitig an.

Der Vorlauf der Steuerleinen ist moderat – nach meiner Einschätzung etwas länger als beim Summit XC 4. Der Bremsdruck fällt im Vergleich zum schweren Bruder etwas geringer aus, was ich als angenehm empfand. Flüge über 5 Stunden konnte ich super entspannt und ohne Ermüdungserscheinungen in Schultern, Armen und Handgelenken absolvieren.

In Puncto Agilität und Steuerpräzision kann ich dem Kangri nur Bestnoten aussprechen. Das meine ich wirklich ernst! Ich denke darin unterscheidet sich der Kangri wohl am meisten von anderen Vertretern seiner (Schirm-)Klasse. Das was du vorgibst, setzt der Kangri auch um. Punkt! Oft verlieren Schirme der A- und B-Klasse in starken Aufwinden oder turbulenten Luftmassen ihre Manövrierfähigkeit. Die Steuerleinen werden dann zu Kaugummi und die Steuerung wird völlig unpräzise. Nicht so der Kangri. Der Schirm bleibt hier super exakt. Man hat das Gefühl, stets Herr der Lage zu sein.

Dabei steht dem Piloten das volle Schräglagenrepertoire zur Verfügung. Weiträumig durch verblasene Aufwindfetzen schwimmen um jedes kleinste Steigen mitzunehmen? Geht! Einmal bitte auf den Stabilo stellen und vor Freude jauchzend gen Basis ballern? Aber jederzeit!

Das macht so Laune, dass ich beim Kurbeln fast ständig irgendwelche Freudenlaute herausposaune. Fragt mal meine Fliegerbuddys 😉

Apropos Freude. Eine Spaßbremse ist beim Kangri nicht eingebaut. Die Energie für mächtige Wing Over steht fix zur Verfügung und es geht rasch weit über die Kappe – da sollte der Pilot also schon wissen, was er tut und wie er mit der einmal ins System eingeleiteten Energie weiter umzugehen hat 😉

copyright: Sandor Nusser

Hike & Fly und Reise – das Packmaß

Der Kangri bringt trotz seines komplexen Innenlebens und der klassisch aufgebauten Tragegurte (solide versteift zur sicheren Startvorbereitung) in Größe M gerade einmal 3,9 kg auf die Waage – den Pilotenrücken freut’s bei längeren Fußmärschen. In Kombination mit leichtem Gurt und Rettung ergibt sich damit ein Setup, das geradezu prädestiniert für genüssliche Hike & Fly Touren bis hin zu mehrtägigen Biwak-Abenteuern ist.

Beim Packen des Kangri mittels des mitgelieferten (leider recht schweren) Zellenpacksacks wird der Schirm quasi gedrittelt – was in Anbetracht der an Eintritts- und Hinterkante verbauten Stäbchen bzw. C-Wires auch durchaus Sinn macht. Auf Grund des leichten, dünnen Tuchs ergibt das dann ein zwar recht flaches aber auch langes Paket. Ein richtig kleines Packerl ist damit nicht zu realisieren. So könnte der Platz im Innern eines klassischen Wendegurtzeugs schon ein wenig knapp werden. In Kombination mit einem leichten Liegegurt kann der Schirm im Zellpacksack um das zusammengelegte Liegegurtzeug herumgelegt werden. Auf diese Weise sollte das Päckchen gut in den mitgelieferten Leichtrucksack Summiteer light bzw. in die am Markt gängigen Konkurrenzmodelle passen.

Wer die anspruchsvollsten alpinen Steige unter die Bergstiefel nehmen und mit komplett minimalistischem Gepäck unterwegs sein will, dabei aber nicht unbedingt die stärkste XC-Performance benötigt, der sollte sich im gleichen Haus auch mal den Mana ansehen. Den Mana konnte ich bereits ausgiebig testen. Einen Bericht dazu findet ihr hier.

 

XC

Leistung – oh je, darüber möchte ich eigentlich gar nicht allzu viele Worte verlieren. Für relaxte XC Piloten wie mich, für die das Landschaftserlebnis im Vordergrund steht und bei denen am Ende des Tages mal 50, mal 100 oder vielleicht auch mal 150 km auf dem Tacho stehen, reicht doch die Leistung aller moderner Gleitschirme völlig aus. Ein Schirm muss Spaß machen und sich für seinen Piloten in allen Bedingungen gut anfühlen – das ist doch das Wichtigste und am Ende des Tages viel entscheidender für den Faktor Leistung als alles andere!

copyright: Jonas Böttcher

Nichtsdestotrotz, ein paar (völlig subjektive) Eindrücke will ich hier dennoch zum Besten geben:

Gefühlt gleitet der Kangri für diese Klasse extrem gut. Vor allem ist er pfeilschnell. Auf einigen kleineren Streckenflügen war über ich längere Zeit hinweg mit einem Delta 3 und einem Artik 5 unterwegs. Ich fühlte mich dabei neben meinen Mitreisenden nie untermotorisiert, wobei wir auf den Gleitstrecken meist mit Halbgas unterwegs waren. Im Trimm war ich etwas schneller als der Delta 3. Das kann aber natürlich auch an vielen andere Faktoren (Gewicht, Sitzposition, Gurtzeugeinstellung, etc.) gelegen haben und hat somit wenig bis gar keine Aussagekraft.

Wahre Gleitperformance zeigt sich ja erst so richtig beim Vollgasfliegen in thermisch stark durchsetzter Luft, gerade wenn dann noch eine deutliche Gegenwindkomponente hinzukommt. Dahingehend kann ich nicht wirklich aus eigener Erfahrung berichten. 6-8 Stunden im Vollgas hochkonzentriert durch rauhes Wetter brezeln um irgendwelchen (persönlichen) Rekorden hinterherzujagen – das ist so gar nicht meine Fliegerei und daher überlasse ich dieses Feld und solche Einschätzungen gerne anderen, die das lieber tun und auch besser können als ich.

Beim Fliegen in stärkerem Wind am Hausberg hatte ich mit dem Kangri stets ausreichende Speed-Reserven zu Verfügung. Das wirkte auf mich immer sehr beruhigend, denn mit einem kurzen Kickdown kam ich auch dann noch gut vorwärts, wenn der Wind mal unvermittelt auflebte. Betätigt man das Gaspedal, nimmt der Kangri zügig aber ruhig Fahrt auf, ohne merklich zu nicken. Gerade Piloten, die aus unteren Schirmklassen aufsteigen und auf den Kangri switchen, werden bei diesem markanten Geschwindigkeitszuwachs einen echten AHA-Moment erleben. Der Kraftaufwand für die Betätigung des Beschleunigers empfinde ich in jeder Stufe als angenehm.

Interessant für die wirklich XC-ambitionierten unter euch: Sobald man auf Halbgas (und darüber hinaus) geht, wird der Kangri noch stabiler und klappresistenter, als er ohnehin schon ist – das wirkt sehr vertrauensfördernd und man bleibt wie selbstverständlich auch dann noch im Gas stehen, wenn die Luftmassen um einen herum mal etwas wilder werden.

copyright: Sandor Nusser

Fazit

Ich habe den Kangri als sehr vielseitigen Schirm kennengelernt.

Er ist schön leicht und gleichzeitig leistungsstark und ist damit geradezu prädestiniert für ausgedehnte Hike & Fly Touren bis hin zu mehrtägigen Biwak-Abenteuern. Er wird auch all diejenigen Piloten begeistern, die ihren Schirm gerne mit auf Reisen nehmen, um neue Länder und Landschaften aus der Luft zu erkunden. Der Kangri ist ein Schirm für Entdecker, Weltenbummler und waschechte Abenteurer!

Verspielte Piloten, die gerne vor dem Take-Off am Startplatz noch etwas am Boden posen und später in der Luft mit schnellem Energieaufbau dynamische Freestyle Manöver fliegen möchten, werden mit dem Kangri ihr neues Lieblingsspielzeug kennenlernen.

Thermik-Liebhaber jauchzen vor Freude, wenn sie am Kangri ihre Schräglage ganz nach Belieben einstellen können und ihnen ihr Flügel wunschgemäß und intuitiv auf Fingerzeig folgt. Was gibt es schöneres, als seinen Schirm auf den Stabilo zu stellen und dann straight gen Basis zu ballern?

XC Enthusiasten finden im Kangri einen zuverlässigen „Träume-In-Taten-Umwandler“, denn der Leistungsflügel bietet dem bekennenden Kilometerfresser so ziemlich alles, was das Streckenherz begehrt: Gleiten, Speed, Stabilität – alles on top. Ein weiteres Plus: Der Kangri schont auf anspruchsvollen Flügen in harzigen Bedingungen auch die mentale Kapazität des Piloten, da er in rauer Luft vergleichsweise wenig „Workload“ von seinem Dirigenten abverlangt.

Auch kann der Kangri ein treuer Begleiter auf der fliegerischen Weiterentwicklung hin zur Sportklasse sein. Wer sich sanft an höhere Streckungen und das gewisse „C“ Feeling herantasten möchte, bei gleichzeitig hoher passiver Sicherheit, für den könnte der Kangri auch ein sehr interessanter Kandidat sein.

Erfahrene Piloten, die auf der Suche nach einem High-B Schirm sind, der sich einfach komplett anders fliegt als der sonstige B-Schirm Einheitsbrei, sollten sich den Kangri mal genauer ansehen und am besten einen Probeflug ins Auge fassen. Ich bin gespannt, ob ihr danach genauso begeistert seid von dem Schirm wie ich.

 

Einordnung / Zielgruppe

Diese Einschätzungen schreibe ich aus meiner Perspektive und damit als Pilot, der selbst regelmäßig über 100 Stunden pro Jahr fliegt. Das gilt natürlich bei der Bewertung und Interpretation der von mir geschilderten Eindrücke zu berücksichtigen.

Der (künftige) Kangri Pilot sollte regelmäßig fliegen und bereits über ein fortgeschrittenes Maß an Erfahrung verfügen. Das aktive Fliegen sollte in dieser Klasse natürlich intuitiv beherrscht werden.

copyright: Jonas Böttcher

Danksagung

Einen ganz besonderen Dank geht an dieser Stelle an die Fotografen Sandor Nusser und Jonas Böttcher, die für die tollen Bilder im Beitrag verantwortlich sind 🙂

 

!! ACHTUNG Bildrechte !!

Alle im Text verwendeten Bilder unterliegen den alleinigen Bildrechten der in den jeweiligen Bildunterschriften genannten Urheber.