TESTED: UP Kangri

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Als Teampilot bei UP bin ich mit der Truppe aus Garmisch-Partenkirchen bekannt, befreundet und verbandelt.

Den Kangri habe ich mir selbst von meinem eigenen Geld gekauft. Die Initiative zum Verfassen dieses Textes kam alleine von mir. Seitens des Herstellers UP Paragliders gab es keinerlei Vorgaben oder Einflussnahme auf die folgenden Inhalte.

copyright: Sandor Nusser

Vorbemerkung

Achtung: Dies ist kein Testbericht! Die folgenden Zeilen strotzen gerade so vor Subjektivität. Mein Schirm, meine Eindrücke und einfach meine Freude, darüber zu schreiben und zu berichten!

Englischsprachiger Technikjargon, trockene Konstruktionsdaten und Leistungsmessungen anhand zweifelhafter Steigvergleiche und nichtssagenden Trimmspeedrennen in bewegter Luft finden sich woanders 😉

Den Kangri in Größe M (75 – 100 kg) erhielt ich Mitte August 2020. Bis Ende September / Anfang Oktober konnte ich mit dem Schirm noch knapp 40 Stunden Airtime verbuchen, darunter viele Genussflüge im Schwarzwald und in den Alpen, aber auch das eine oder andere kleinere Streckenabenteuer. Mein Abfluggewicht lag im Testzeitraum bei etwa 92 kg.

 

Allgemeines

Der Summit XC 4 und ich waren bis zum Sommer 2020 so richtig gute Kumpels geworden. Ein vertrautes und eingespieltes Team sozusagen, was nach knapp 140 Stunden gemeinsam in der Luft ja auch nicht weiter verwunderlich war. Der Summit gab mir beim Fliegen so ziemlich alles, was ich mir von meinem Fluggerät wünsche bzw. erwarte: Er startete zuverlässig, hatte im Klassenvergleich in allen Beschleunigerstufen richtig viel Speed zu bieten, zeigte Luftbewegungen gut an, wirkte beruhigend und vertrauensbildend an meinen persönlichen „Schisser-Tagen“ und machte vor allem eines: verdammt viel Spaß!

Warum also einen Schirm wechseln, der einem so ans Herz gewachsen und bei dem der „Grins-Faktor“ beim Fliegen fast schon garantiert war?

Als ich mich damals für den Summit XC 4 als neuen Schirm entschied, passte hinsichtlich der technischen Eckdaten des Geräts und den bis dato gewonnenen subjektiven Eindrücken soweit eigentlich alles – bis auf das Gewicht. Als Hike & Fly affiner Pilot, der sich den Flug gerne und regelmäßig sportlich erarbeitet, schreckte mich das doch recht hohe Kappengewicht des Summits ein wenig ab. Ich entschied mich trotzdem für den Kauf und kompensierte das Mehr an Gewicht mit dem extra Mehr an Zunder in den Wadeln 😉

Als UP dann in der Folge den Kangri launchte und das Kappengewicht in meiner Größe M mit 3,9 kg angab, war ich sofort on fire. Die Vorstellung, den für mich so genialen Summit XC 4 in leichtem Tuchgewand und damit gewichtsmäßig deutlich abgespeckt bekommen bzw. fliegen zu können, gefiel mir und so war die Entscheidung pro Kangri doch recht bald gefällt.

Nach dem Zusammenkratzen des notwendigen Kleingelds und dem Zurechtlegen einer passenden Argumentationsstrategie für die Überzeugungsarbeit gegenüber meiner Frau, war es dann Mitte August 2020 endlich so weit: Das Paket mit dem heiß begehrten Inhalt flatterte in Haus.

copyright: Sandor Nusser

copyright: Jonas Böttcher

Lieferumfang

Der Kangri wird mit dem Zellpacksack „Parasleeve 2“ und dem Leichtrucksack „Summiteer light“ ausgeliefert. Den Zellpacksack hatte ich schon bei Kibo und Summit XC 4 im Einsatz. Er ist robust verarbeitet und funktioniert wirklich super – allerdings ist er doch recht schwer (460 gr. in Größe M). Somit ist es fast zu schade, den leichtgewichtigen Kangri in ein so schweres Gewand zu hüllen 😉 Da gibt es auf dem Zubehörmarkt leichtgewichtigere Lösungen.

Richtig leicht dagegen ist der Rucksack „Summiteer light“. Der bringt in Einheitsgröße S gerade mal 385 Gramm auf die Waage. Ich verwende den Rucksack gerne auf meinen Hike & Fly Touren und empfinde den Tragekomfort als sehr angenehm. Der Rucksack ist aus hauchdünnem Rip-Stop Gewebe gefertigt (40er Skytex / Dominico) und gehört damit eher zu den filigranen Vertretern seiner Gattung. Für den harten und oft unachtsamen Fliegeralltag (Gondel, Bergbahn, Shuttlebus, etc.) verwende ich ihn daher nicht.

 

Unboxing

Ach wie ich es liebe, einen nagelneuen Gleitschirm zum ersten Mal auszupacken und aufzuziehen – dieses Rascheln und Knistern ist wie Musik in den Ohren 😉 Im Vergleich zum Summit fällt natürlich gleich das leichte Tuch ins Auge. Zum Einsatz kommt dabei eine Kombination aus 32er und 27er Skytex – leicht und bewährt also. Wer seinen Schirm nicht gerade regelmäßig über die schroff-scharfen Soaringhänge von Lanzarote oder Marokko prügelt, sollte in Puncto Langlebigkeit eigentlich kaum Einbußen hinnehmen müssen.

Das Leinensetup entspricht dem heutigen Geist moderner Leistungsschirme und zeigt sich einfarbig und gänzlich ohne Mantel.

Richtig geil finde ich die neu konstruierte Arretierung der Steuergriffe am Tragegurt. UP nennt das System „Snap-Lock.“ Dabei wird der Bremsgriff durch einen zylinderförmigen Magneten in eine U-förmige Halterung am Tragegurt gezogen und auf diese Weise arretiert. Ich hatte bereits beim Kibo 2 darüber berichtet. Das funktioniert so unglaublich gut und spielerisch – ich möchte nie wieder mit klassischen Druckknöpfen hantieren.

 

Starten & Bodenhandling

Schon den Summit XC 4 empfand ich als sehr zuverlässigen Starter; spurstabiles Hochkommen und keine Tendenz zum Überschießen oder Aushebeln zeichneten den Streckenflügel aus. Ich weiß aber auch, dass es gerade diesbezüglich im deutschsprachigen Gleitschirmforum andere Meinungen bzw. Wahrnehmungen gab. Aber ich kann eben nur von meiner Warte aus sprechen. Ich kam mit dem Summit immer sehr gut zurecht.

Aus meiner Sicht das einzige Manko beim Startprocedere mit dem Summit: bei Nullwind oder leichter Brise von hinten machte sich das schwere Tuch des Schirms in der Aufzieh- bzw. Füllphase bemerkbar. Da brauchte es ab und an eine wirklich konsequente Führung, damit die Kappe zuverlässig bis zum Zenit marschierte. Die mit Stäbchen verstärkte und damit recht schwere Eintrittskante tendierte zudem in steilerem Startgefälle bei fehlender Vorwindkomponente dazu, von alleine einzuklappen bzw. umzuschlagen, was mitunter etwas nervig sein konnte.

Nach Erhalt des Kangri marschierte ich mit dem neuen Flügel zunächst auf die Groundhandlingswiese, um einen ersten Eindruck in Bezug auf das Startverhalten zu bekommen. Nach ausgiebigen Boden-Sessions und zahlreichen Starts in fast allen denkbaren Bedingungen, kann ich mittlerweile ein ganz gutes Bild über das Startverhalten des Schirms skizzieren.

Das leichte Tuch macht sich beim Kangri äußert positiv bemerkbar. Der Kangri steigt auch bei Nullwind schon bei leichtem Zug der A-Leinen zuverlässig über den Piloten (sowohl vorwärts als auch rückwärts aufgezogen). Mit etwas deutlicherem Zug gelingen so auch Start bei leichtem Rückenwind, was gerade beim Hike & Fly durchaus als wichtige Tugend gelten darf. Die äußeren (geschlossenen) Zellen bleiben dann etwas länger ungefüllt. Wird Fahrt aufgenommen, füllen sich diese aber zuverlässig; das Ganze kann mit einem kurzen Bremsinput noch unterstützt werden.

Einen markanten Unterschied zum Summit XC 4 erfuhr ich beim Bodenhandling in knackigeren Bedingungen, beispielsweise bei thermischen Ablösungen mit schnell wechselnden Windrichtungen. Der Kangri ist ein super agiler Flügel – auch am Boden. Beim Groundhandling macht das total Spaß. Auf Fingerzeig kann man die Kappe exakt dorthin dirigieren, wohin man möchte. Wechselseitiges Stabilo-Parken, Kiten – all das geht super exakt. Soviel Spaß diese Agilität auch macht, beim Start in anspruchsvollen Bedingungen erfordert die agile und um die Hochachse doch eher lebendige Kappe ein feinfühliges Händchen und mitunter eine schnelle Pilotenreaktion, um auf der gewünschten Spur zu bleiben.

Sowohl beim Groundln als auch beim eigentlichen Startvorgang spielt natürlich auch die doch beachtliche Streckung von 6,3 eine Rolle. Aufsteiger von niedrig gestreckten Schirmen sollten sich daher zunächst etwas mit dem Kangri eingrooven. Ist das geschehen, hat man mit dem Kagri am Boden richtig viel Spaß.

 

Fluggefühl und Thermikverhalten

Der das Fluggefühl prägende Charakter eines Gleitschirmprofils… wow! Gibt es irgendetwas Subjektiveres? Ich denke nicht. In diesem Punkt unterscheiden sich die Geschmäcker und Wahrnehmungen der Pilotenschar ja oft massiv. In Bezug auf die Mitteilsamkeit einer Kappe taugt mir persönlich die goldene Mitte. Ich mag weder die ganz stummen Charaktere noch die unsäglichen Plappermäuler. Knallt es im Frühjahr deftig, bin ich ziemlich froh darum, wenn mein Flügel etwas Arbeit für mich abnimmt, sozusagen „vorfiltert“ und dann nur diejenigen Infos an Steuerleinen und Tragegurte weitergibt, die mein Gehirn auch verarbeiten, deuten und letztendlich in Aktion umsetzen kann. Schirmmodelle, die ständig zippeln und zuppeln machen mich innerlich unruhig und lenken mich in der Folge zu sehr von meiner eigentlichen Flugaufgabe ab. Umgekehrt: Ein zu stummer Geselle erschwert das Zentrieren in wirklich schwachen Bedingungen oder auch das Auffinden guter Linien beim Gleiten.

Wie gesagt, das alles ist völlig subjektiv und jeder Pilot benötigt ein unterschiedliches Maß an Kommunikation zwischen ihm und seinem Fluggerät. Mir persönlich taugt die Mitteilsamkeit des Kangri sehr gut. Er zeigt Luftströme und Bewegungen der Luftmasse sehr gut an – sowohl über die Steuerleinen als auch über die Tragegurte. So gelang es mir mit dem Kangri oft, bessere Luftmassen zu erspüren und durch leichte Gewichtsverlagerung in Richtung des Steigens zu driften und so in der Summe einfach effektiver zu Gleiten. Da ich öfters aus dem Mittelgebirgsrelief des Schwarzwalds hinaus ins Flachland fliege, ist das eine Stärke des Schirms, die mir sehr zu Gute kommt.

copyright: Jonas Böttcher

Gestützt auf meine bisherigen Leichtschirmerfahrungen ging ich im Übrigen vor dem Erstflug mit dem Kangri davon aus, dass sich der Schirm ziemlich ähnlich wie sein schwererer Bruder, der Summit XC 4, fliegen bzw. anfühlen wird – vielleicht auf Grund des leichten Tuchs etwas weniger statt, dafür aber etwas verspielter, lebendiger und vielleicht auch einen Tick nervöser.

Erstaunlicherweise war gerade das Gegenteil der Fall – und der erste Eindruck verfestigte sich dann auch in den folgenden Flügen (bei gleichem TOW und dem gleichem Gurtzeug samt Gurteinstellung): Der Kangri liegt ruhiger und satter in der Luft als der Summit XC 4 – kommuniziert aber im Gegenzug auch etwas weniger mit dem Piloten. In durchwühlter Luft fühlt sich die Kappe homogener, kompakter an als die ihres schwereren Bruders.

Wie eigentlich alle Konstruktionen des UP Designers Frantisek Pavlousek zeigt sich auch der Kangri unglaublich stabil und klappresistent.

Im Sommer finden wir bei uns am Hausberg (Merkur bei Baden-Baden) mit der angrenzenden, zu dieser Jahreszeit oft stabilen Rheinebene regelmäßig stark überhitzte bodennahe Luftmassen vor – entsteht Thermik, ist diese dementsprechend garstig, da kleinräumig, scharfkantig und versatzanfällig bei Wind. Selbst unter Dauerbeschuss in dieser Böllerthermik zeigte sich der Kangri unbeeindruckt, klappte nicht und blieb stets auf der vorgegebenen Bahn. Ganz selten rollte mal der Außenflügel ein; die Schirmmitte blieb stets bockstabil. Weder im blubbernden Hexensud des Schwarzwaldes noch in der herzhaften Südflankenthermik des Piemont erfuhr ich am Kangri eine ernsthafte Kappenstörung.

Die „Workload“ empfand ich dabei trotz der beachtlichen Streckung als recht gering – jedenfalls geringer als beim schweren Bruder Summit XC 4. An objektiven Kriterien kann ich das nicht festmachen; vielleicht entstand dieser Eindruck einfach dadurch, dass der Summit XC 4 in kochender Luft viel stärker dazu neigte, sich in sich selbst zu verbiegen und zu verwinden – den Kangri empfand ich da eher wie einen soliden Block über mir.

Auch beim Rollen und Pitchen empfand ich den Schirm als sehr ausbalanciert. Kann man den Schirm beim induzierten Nicken mit wenigen Amplituden frontseitig zum Einklappen bringen, so pitcht der Schirm beim Biss in die Thermik bzw. beim Herausfallen aus starken Aufwinden nur sehr wenig und zeigt seinen Vorwärtsdrang deutlich und rechtzeitig an.

Der Vorlauf der Steuerleinen ist moderat – nach meiner Einschätzung etwas länger als beim Summit XC 4. Der Bremsdruck fällt im Vergleich zum schweren Bruder etwas geringer aus, was ich als angenehm empfand. Flüge über 5 Stunden konnte ich super entspannt und ohne Ermüdungserscheinungen in Schultern, Armen und Handgelenken absolvieren.

In Puncto Agilität und Steuerpräzision kann ich dem Kangri nur Bestnoten aussprechen. Das meine ich wirklich ernst! Ich denke darin unterscheidet sich der Kangri wohl am meisten von anderen Vertretern seiner (Schirm-)Klasse. Das was du vorgibst, setzt der Kangri auch um. Punkt! Oft verlieren Schirme der A- und B-Klasse in starken Aufwinden oder turbulenten Luftmassen ihre Manövrierfähigkeit. Die Steuerleinen werden dann zu Kaugummi und die Steuerung wird völlig unpräzise. Nicht so der Kangri. Der Schirm bleibt hier super exakt. Man hat das Gefühl, stets Herr der Lage zu sein.

Dabei steht dem Piloten das volle Schräglagenrepertoire zur Verfügung. Weiträumig durch verblasene Aufwindfetzen schwimmen um jedes kleinste Steigen mitzunehmen? Geht! Einmal bitte auf den Stabilo stellen und vor Freude jauchzend gen Basis ballern? Aber jederzeit!

Das macht so Laune, dass ich beim Kurbeln fast ständig irgendwelche Freudenlaute herausposaune. Fragt mal meine Fliegerbuddys 😉

Apropos Freude. Eine Spaßbremse ist beim Kangri nicht eingebaut. Die Energie für mächtige Wing Over steht fix zur Verfügung und es geht rasch weit über die Kappe – da sollte der Pilot also schon wissen, was er tut und wie er mit der einmal ins System eingeleiteten Energie weiter umzugehen hat 😉

copyright: Sandor Nusser

Hike & Fly und Reise – das Packmaß

Der Kangri bringt trotz seines komplexen Innenlebens und der klassisch aufgebauten Tragegurte (solide versteift zur sicheren Startvorbereitung) in Größe M gerade einmal 3,9 kg auf die Waage – den Pilotenrücken freut’s bei längeren Fußmärschen. In Kombination mit leichtem Gurt und Rettung ergibt sich damit ein Setup, das geradezu prädestiniert für genüssliche Hike & Fly Touren bis hin zu mehrtägigen Biwak-Abenteuern ist.

Beim Packen des Kangri mittels des mitgelieferten (leider recht schweren) Zellenpacksacks wird der Schirm quasi gedrittelt – was in Anbetracht der an Eintritts- und Hinterkante verbauten Stäbchen bzw. C-Wires auch durchaus Sinn macht. Auf Grund des leichten, dünnen Tuchs ergibt das dann ein zwar recht flaches aber auch langes Paket. Ein richtig kleines Packerl ist damit nicht zu realisieren. So könnte der Platz im Innern eines klassischen Wendegurtzeugs schon ein wenig knapp werden. In Kombination mit einem leichten Liegegurt kann der Schirm im Zellpacksack um das zusammengelegte Liegegurtzeug herumgelegt werden. Auf diese Weise sollte das Päckchen gut in den mitgelieferten Leichtrucksack Summiteer light bzw. in die am Markt gängigen Konkurrenzmodelle passen.

Wer die anspruchsvollsten alpinen Steige unter die Bergstiefel nehmen und mit komplett minimalistischem Gepäck unterwegs sein will, dabei aber nicht unbedingt die stärkste XC-Performance benötigt, der sollte sich im gleichen Haus auch mal den Mana ansehen. Den Mana konnte ich bereits ausgiebig testen. Einen Bericht dazu findet ihr hier.

 

XC

Leistung – oh je, darüber möchte ich eigentlich gar nicht allzu viele Worte verlieren. Für relaxte XC Piloten wie mich, für die das Landschaftserlebnis im Vordergrund steht und bei denen am Ende des Tages mal 50, mal 100 oder vielleicht auch mal 150 km auf dem Tacho stehen, reicht doch die Leistung aller moderner Gleitschirme völlig aus. Ein Schirm muss Spaß machen und sich für seinen Piloten in allen Bedingungen gut anfühlen – das ist doch das Wichtigste und am Ende des Tages viel entscheidender für den Faktor Leistung als alles andere!

copyright: Jonas Böttcher

Nichtsdestotrotz, ein paar (völlig subjektive) Eindrücke will ich hier dennoch zum Besten geben:

Gefühlt gleitet der Kangri für diese Klasse extrem gut. Vor allem ist er pfeilschnell. Auf einigen kleineren Streckenflügen war über ich längere Zeit hinweg mit einem Delta 3 und einem Artik 5 unterwegs. Ich fühlte mich dabei neben meinen Mitreisenden nie untermotorisiert, wobei wir auf den Gleitstrecken meist mit Halbgas unterwegs waren. Im Trimm war ich etwas schneller als der Delta 3. Das kann aber natürlich auch an vielen andere Faktoren (Gewicht, Sitzposition, Gurtzeugeinstellung, etc.) gelegen haben und hat somit wenig bis gar keine Aussagekraft.

Wahre Gleitperformance zeigt sich ja erst so richtig beim Vollgasfliegen in thermisch stark durchsetzter Luft, gerade wenn dann noch eine deutliche Gegenwindkomponente hinzukommt. Dahingehend kann ich nicht wirklich aus eigener Erfahrung berichten. 6-8 Stunden im Vollgas hochkonzentriert durch rauhes Wetter brezeln um irgendwelchen (persönlichen) Rekorden hinterherzujagen – das ist so gar nicht meine Fliegerei und daher überlasse ich dieses Feld und solche Einschätzungen gerne anderen, die das lieber tun und auch besser können als ich.

Beim Fliegen in stärkerem Wind am Hausberg hatte ich mit dem Kangri stets ausreichende Speed-Reserven zu Verfügung. Das wirkte auf mich immer sehr beruhigend, denn mit einem kurzen Kickdown kam ich auch dann noch gut vorwärts, wenn der Wind mal unvermittelt auflebte. Betätigt man das Gaspedal, nimmt der Kangri zügig aber ruhig Fahrt auf, ohne merklich zu nicken. Gerade Piloten, die aus unteren Schirmklassen aufsteigen und auf den Kangri switchen, werden bei diesem markanten Geschwindigkeitszuwachs einen echten AHA-Moment erleben. Der Kraftaufwand für die Betätigung des Beschleunigers empfinde ich in jeder Stufe als angenehm.

Interessant für die wirklich XC-ambitionierten unter euch: Sobald man auf Halbgas (und darüber hinaus) geht, wird der Kangri noch stabiler und klappresistenter, als er ohnehin schon ist – das wirkt sehr vertrauensfördernd und man bleibt wie selbstverständlich auch dann noch im Gas stehen, wenn die Luftmassen um einen herum mal etwas wilder werden.

copyright: Sandor Nusser

Fazit

Ich habe den Kangri als sehr vielseitigen Schirm kennengelernt.

Er ist schön leicht und gleichzeitig leistungsstark und ist damit geradezu prädestiniert für ausgedehnte Hike & Fly Touren bis hin zu mehrtägigen Biwak-Abenteuern. Er wird auch all diejenigen Piloten begeistern, die ihren Schirm gerne mit auf Reisen nehmen, um neue Länder und Landschaften aus der Luft zu erkunden. Der Kangri ist ein Schirm für Entdecker, Weltenbummler und waschechte Abenteurer!

Verspielte Piloten, die gerne vor dem Take-Off am Startplatz noch etwas am Boden posen und später in der Luft mit schnellem Energieaufbau dynamische Freestyle Manöver fliegen möchten, werden mit dem Kangri ihr neues Lieblingsspielzeug kennenlernen.

Thermik-Liebhaber jauchzen vor Freude, wenn sie am Kangri ihre Schräglage ganz nach Belieben einstellen können und ihnen ihr Flügel wunschgemäß und intuitiv auf Fingerzeig folgt. Was gibt es schöneres, als seinen Schirm auf den Stabilo zu stellen und dann straight gen Basis zu ballern?

XC Enthusiasten finden im Kangri einen zuverlässigen „Träume-In-Taten-Umwandler“, denn der Leistungsflügel bietet dem bekennenden Kilometerfresser so ziemlich alles, was das Streckenherz begehrt: Gleiten, Speed, Stabilität – alles on top. Ein weiteres Plus: Der Kangri schont auf anspruchsvollen Flügen in harzigen Bedingungen auch die mentale Kapazität des Piloten, da er in rauer Luft vergleichsweise wenig „Workload“ von seinem Dirigenten abverlangt.

Auch kann der Kangri ein treuer Begleiter auf der fliegerischen Weiterentwicklung hin zur Sportklasse sein. Wer sich sanft an höhere Streckungen und das gewisse „C“ Feeling herantasten möchte, bei gleichzeitig hoher passiver Sicherheit, für den könnte der Kangri auch ein sehr interessanter Kandidat sein.

Erfahrene Piloten, die auf der Suche nach einem High-B Schirm sind, der sich einfach komplett anders fliegt als der sonstige B-Schirm Einheitsbrei, sollten sich den Kangri mal genauer ansehen und am besten einen Probeflug ins Auge fassen. Ich bin gespannt, ob ihr danach genauso begeistert seid von dem Schirm wie ich.

 

Einordnung / Zielgruppe

Diese Einschätzungen schreibe ich aus meiner Perspektive und damit als Pilot, der selbst regelmäßig über 100 Stunden pro Jahr fliegt. Das gilt natürlich bei der Bewertung und Interpretation der von mir geschilderten Eindrücke zu berücksichtigen.

Der (künftige) Kangri Pilot sollte regelmäßig fliegen und bereits über ein fortgeschrittenes Maß an Erfahrung verfügen. Das aktive Fliegen sollte in dieser Klasse natürlich intuitiv beherrscht werden.

copyright: Jonas Böttcher

Danksagung

Einen ganz besonderen Dank geht an dieser Stelle an die Fotografen Sandor Nusser und Jonas Böttcher, die für die tollen Bilder im Beitrag verantwortlich sind 🙂

 

!! ACHTUNG Bildrechte !!

Alle im Text verwendeten Bilder unterliegen den alleinigen Bildrechten der in den jeweiligen Bildunterschriften genannten Urheber.

 

13 thoughts on “TESTED: UP Kangri”

  1. Benjamin H sagt:

    Klingt nach einem sehr interessanten Schirm. Vor der Streckung hab ich schon ziemlich Respekt, bin bisher eher im mittleren B Schrim Bereich unterwegs gewesen. Ich hoffe es sind irgenwann mal wieder Testivals möglich. Würde den Kangri schon gerne mal ausprobieren. Grüße aus dem Schwäbischen
    Benjamin

    • liftuup sagt:

      Hallo Benjamin,
      selbst testen und sich ein Bild machen ist immer mehr wert als jeden Bericht den man lesen kann 🙂 Der Kangri ist ein ganz hervorragender Schirm, um dich an höhere Streckungen samt damit verbundenem Fluggefühl und Anspruch heranzutasten. Viel Spaß beim Testen 🙂

    • Micha sagt:

      Benjamin, frag einfach mal bei UP an, die sind da ziemlich unkompliziert was Tester angeht. Ich flieg selber auch nen Kangri in M und musste immer wieder grinsen beim Lesen des Artikels. 😁 Hab mich schon beim ersten Flug mitm Tester direkt verliebt und ihn mir zwei Tage nach Abgabe gekauft. 😅

      • liftuup sagt:

        Hey Micha,

        herzlichen Dank für dein Kommentar hier auf dem Blog 🙂
        Da bin ich voll bei dir: Liebe auf den ersten Blick, ähh ich meine ersten Flug 😉
        Und ja, das deckt auch meine Erfahrung: Das Team aus GAP ist mit der Vergabe von Testschirmen sehr unkompliziert. Ist eben alles ganz familiär bei UP – das gefällt mir 🙂
        Beste Grüße!

  2. Anonymous sagt:

    interessanter Schirm der Kangri. Mit solchen Eckdaten dürfte die Kluft zu sog. Low-C Schirmen (zB Elan 2, Airdesign Volt, etc..) nicht allzu groß sein. Aber wie du schön geschrieben hast: man muss sich einfach wohl fühlen am Schirm…viel wichtiger als A, B, C, D Einstufung etc.
    Male

    • liftuup sagt:

      Hallo Male,
      Danke für dein Feedback 🙂 ja du, letztendlich steht auf dem Datenblatt ein Buchstabe – der sagt aber noch lange nichts darüber aus, wie wohl du dich am Schirm fühlst (vielleicht mental etwas im Hinterkopf). Wer viel und regelmäßig fliegt, wird sich mit Sicherheit pudelwohl am Kangri fühlen. Am Ende ist es dann eine Frage des persönlichen „Geschmacks“ 🙂
      Beste Grüße und allseits schöne Flüge!

  3. Hanno sagt:

    Guter Bericht zum Schirm. Allgemein ist dein Blog echt ne gute Sache, für meinen Geschmack aber bissel zu UP lastig 😉 Es gibt auch gute Schirme anderer Hersteller 😉 teste doch auch mal solche Schirme. Ansonsten weiter so!
    gruezi,
    Hanno

  4. Dani sagt:

    Konnte den Kangri auch schon fliegen – echt ein geiler Flügel, aber wirklich am absolut oberen Ende der B Klasse. Sportklasse Piloten oder Rücksteiger aus höhren Klassen werden sich extrem wohl am Schirm fühlen und die extra Portion Komfort schätzen, wenn es in der Luft richtig zur Sache geht. Für den Freizeit orientierten Wochenende-/ Urlaubsflieger ist der Schirm aber definitiv too much..
    lg und mach weiter so mit dem Blog! 🙂 Dani

  5. Tommi Odenthal sagt:

    Ich hab mir den Kangri auch letztes Jahr gekauft. Im großen und ganzen kann ich dem Bericht zustimmen. Leider hatten wir es Corona Bedingt im Norden etwas schwerer in die Luft zu kommen und ich hab erst 20 Stunden unter dem Schirm verbracht.
    In anspruchsvollen Verhältnissen finde ich den Kangri deutlich einfacher zu Fliegen, als den Summit XC4. Obwohl er nicht nervös ist, kommuniziert der Kangri die Verhältnisse deutlich besser als der Summit XC4, bei dem ich doch ab und an von Klappern überrascht wurde.
    Die Bremsen hab ich mir allerdings 5 Zentimeter verlängert, da ich die Armposition beim Fliegen als zu hoch empfand. Und die C-Griffe hab ich abgeschraubt. M.E. haben die zu viele Nachteile und in die Gurte Greifen geht genau so gut.

    • liftuup sagt:

      Hallo Tommi,
      ich habe deine Schirm-Berichte im Gleitschirmforum immer sehr gerne gelesen – umso erfreuter bin ich, deine Zeilen nun hier auf meinem Blog zu lesen. Herzlichen Dank dafür 🙂
      Ich habe nunmehr über 70 Std am Kangri -und ja, ich bin voll bei dir: Der Kangri fliegt sich wirklich in rauhem Wetter viel stressfreier und einfacher als der Summit. Das kommt mir beim Streckenfliegen sehr entgegen, kann man doch den Schirm fast komplett ausblenden und sich auf sein Vorhaben konzentrieren 🙂

      Ich drücke fest die Daumen, dass du bzw. wir alle bald wieder reisen können und dann auch alle Piloten wieder fleißig Airtime tanken können. Mit deinem Kangri wünsche ich dir für die kommende Zeit viele fantastisch schöne Flüge 🙂

      Beste Grüße aus dem Schwarzwald,
      Rüdiger

  6. Andreas sagt:

    Ich durfte den Kangri ein paar Stunden fliegen und hatte durchgehend Spaß!
    Kein Schießen beim Start, die Kappe kommt langsam und sauber hoch.
    Die Gurte sind für mich gewöhnungsbedürftig. Das gewohnte C-Handling beim Start erforderte etwas Gefummel, da der B-Gurt quasi direkt hinterm C-Schloss sitzt. An dem Testschirm fehlten die C-Handles, welche bestimmt hilfreich bei der Steuerung gewesen wären, da B- und C-Gurt eng aneinander liegen. Die magnetischen Bremsgriffhalterungen sind super!
    Der Kangri ist sehr agil, steigfreudig und setzt jeden Steuerimpuls willig um.
    Ich drehe gerne eng und das macht auch dem Kangri Spaß. Leider hat es mit Strecke nicht geklappt, gefühlt ist der Kangri aber zügig unterwegs.
    Absichtliches Herausfallen aus der Thermik ignoriert er fast, er klappert allenfalls unspektakulär.

    Fazit: Ein toller Schirm mit Potential einen Platz in meiner Garage zu finden, wenn sich mal wieder ein Schirmchen verabschiedet 🙂

  7. Markus sagt:

    Bin jetzt auch schon mit dem Kangri geflogen und er deckt meine Erwartungen vom fliegen sehr weit ab 😊. Da ich über einen sehr lagen Zeitraum nicht mehr geflogen bin und jetzt wieder angefangen habe konnte ich die alten Verbindung nutzen und somit einige Schirme testen . Und eins vorweg das was man mal gelernt hat vergisst man nicht . So wurde mir schnell klar im A und unteren B Bereich nicht meine Art des flieges ist . Ich will sofort spüren wenn sich die Luft bewegt das der Schirm auf jede Gewichtsverlagerung wahrnimmt schnelle Richtungsänderung möglich sind . Manche mögen diese Eigenschaften als nervös 😬 bezeichnen . Ich fliege mit eine geschlossenen Gurtzeug also keinen Sitzbrett so das die Kräfte des Schirm dich rollen , wo man sehr gut dagegen arbeiten kann. Wie das mit einem Sitzbrett ist wo man mehr gehebelt wird 🤔weis ich nicht . Leistung und Geschwindigkeit nehme ich gerne mit ist aber für mich zweitrangig. Das Fazit geiler Schirm mit dem man Spaß haben kann 😁
    Lg Markus

    • liftuup sagt:

      Vielen Dank für dein ausführliches Feedback, Markus! 🙂 Ich wünsche dir weiterhin super schöne Flüge mit dem Kangri! 🙂
      Beste Grüße!

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